Ciampi will EU vor möglichem Wahlsieg Berlusconis besänftigen

3. Mai 2001, 12:33
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"Alle Parteien teilen die europäische Politik Italiens"

Rom - Die Polemik um die verbalen Angriffe einiger europäischer Medien gegen den italienischen Oppositionschef Silvio Berlusconi besorgen Staatschef Carlo Azeglio Ciampi. In einer am Mittwoch Abend veröffentlichten Presseaussendung erklärte Ciampi, dass alle Bürger und Parteien die europäische Politik Italiens teilen würden. "Dieser Konsens wird weiterhin die Verhaltensweise Italiens in Europa inspirieren", betonte Ciampi.

Beobachtern zufolge will der Staatschef mit dieser Aussage die Polemik um die mögliche Isolierung in Europa besänftigen, die Italien laut einigen europäischen Medien im Fall eines Wahlsiegs von Berlusconi bei den Parlamentswahlen am 13. Mai drohen würde.

Berlusconi ortet Krieg gegen seine Person

Berlusconi ist in den letzten Tagen von europäischen Zeitungen scharf kritisiert worden. Er reagierte mit Entrüstung auf die Bedenken europäischer Medien, die ihm die Eignung für den Posten des Regierungschefs absprechen, weil er sich nach sieben Jahren aktiver Politik immer noch nicht von seinem TV-Imperium getrennt hat. "Das ist kein Wahlkampf, sondern ein Krieg gegen mich. Die Linke ruft befreundete Medien in Europa zur Hilfe, weil sie genau weiß, dass sie die Wahlen verlieren wird", so Berlusconi, der sich als Opfer eines "internationalen Komplotts" sieht.

"Die Attacken der europäischen Presse werden sich als Bumerang für die Linke entpuppen. Die Italiener wollen nicht von den starken Männern der europäischen Politik kontrolliert werden. Vor dem möglichen Wahldebakel der Linken sucht die Regierungskoalition Hilfe im Ausland. Sie haben nicht begriffen, dass zwei oder drei ausländische Zeitungen nicht über das Wahlresultat entscheiden können", erklärte der Bürgermeisterkandidat von Forza Italia in Rom, Antonio Tajani, Ex-Sprecher Berlusconis.

Rutelli: Berlusconi ohne Programm

Premierkandidat Rutelli wirft Berlusconi vor, sich vor einem Wahlduell zu drücken, weil er nicht auf unangenehme Fragen antworten wolle. "Berlusconi befürchtet eine offene Debatte, weil er kein richtiges Programm ausgearbeitet hat, sondern seine ganze Kampagne nur auf inhaltsleere Slogans aufgebaut hat", so Rutelli. (APA)

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