Softwarehersteller starten "Aktion scharf" gegen Raubkopien in Österreich

4. Mai 2001, 11:43
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Fahndung startet in Oberösterreich

Die weltweit größten Hersteller von Computersoftware starten ihr "Aktion scharf" gegen Raubkopien nun auch in Österreich. Eine spezielle Interessengemeinschaft beginnt mit ihrer Fahndung nach illegal eingesetzter Software in Oberösterreich, die Ausdehnung auf alle anderen Bundesländern ist vorgesehen. Man will in der ersten Phase aber den Firmen vier Wochen lang die Chance geben, sich freiwillig zu melden und die Lizenzen nachzukaufen.

BSA sucht Verbrecher

Bei der Interessengemeinschaft handelt es sich um die Business Software Alliance" (BSA), die 1988 gegründet wurde und sich weltweit für den Schutz von Software als geistigem Eigentum einsetzt. Hinter der BSA stehen laut deren Auskunft 85 Prozent der weltweit tätigen Hersteller von Standardsoftware.

36 Prozent aller Programme illegal

Zur Dimension des "Schwarzmarktes" in diesem Bereich meinte am Donnerstag der für Zentraleuropa zuständige BSA-Manager Georg Herrnleben: "Nach unseren Berechnungen, die wir gemeinsam mit Marktforschern durchgeführt haben, sind 36 Prozent aller in Österreich gewerblich genutzten Software illegal, also Raubkopien, ohne dass die entsprechenden Lizenzgebühren bezahlt wurden". Mit anderen Worten, so Herrnleben, für die Softwarehersteller sei allein in Österreich im Jahr 1999 - das seien die neuesten vorliegenden Zahlen - durch Raubkopien ein Schaden von 67 Mill. US-Dollar (1.039 Mill. S) entstanden.

Informationen kommen von überall her

Die BSA beziehe aus verschiedenen Quellen ihre Informationen über die illegale Verwendung von Software, erläutert Herrnleben: Aus den Firmen selbst, "weil immer wieder EDV-Verantwortliche ein schlechtes Gewissen haben", sowie von ehemaligen Mitarbeitern von Betrieben, ebenso von Mitbewerbern auf dem Markt und von Computerfirmen. Wenn ein konkreter Verdacht auf Software-Piraterie vorliegt, dann werden die Sicherheitsbehörden sowie Staatsanwalt und Gericht eingeschaltet, die dann entsprechende Hausdurchsuchungen veranlassen. "Illegale Verwendung von Software ist ein klarer Fall von Diebstahl", sagt der BSA-Manager, "auch wenn es sich dabei nicht um professionellen Handel sondern lediglich um Kopien für den internen Gebrauch handelt".

Am 7. Mai startet der Feldzug

Die jetzige Aktion, die in Oberösterreich am 7. Mai startet, wird mit Absicht "Schonfrist" genannt: Die Firmen sollen, so die BSA, vier Wochen lang die Möglichkeit haben, im eigenen Bereich Nachschau zu halten, ob mit den Lizenzen alles in Ordnung ist. Sie können sich diesbezüglich auch bei der BSA "registrieren" lassen. "Wir sehen das als faire Chance für die Firmen an, nach den 30 Tagen werden wir dann mit Nachdruck den uns vorliegenden Hinweisen nachgehen und auch die Behörden einschalten", kündigt Herrnleben an.

Wirtschaft reagiert befremdet

Befremdet reagierten die Vertreter der Wirtschaft auf die Ankündigung der Interessensgemeinschaft der Softwarehersteller - BSA -, in nächster Zeit in Oberösterreich und dann auch in anderen Bundesländern verstärkt nach Raubkopien in Betrieben fahnden zu wollen.

Zahlen der Fahnder weit überhöht

Es sei keine Art, wie hier vorgegangen werde und wie Behauptungen und Zahlen in den Raum gestellt würden, die durch nichts bewiesen seien, erklärte Wilfried Seyruck von der Fachgruppe für Unternehmensberatung und Informationstechnologie in der oberösterreichischen Wirtschaftskammer. Die Zahl von angeblich 36 Prozent illegal verwendeter Software in gewerblichen Betrieben Österreichs hält Seyruck für weit überhöht.

Gespräche besser als "Feldzug"

Grundsätzlich sei natürlich auch die Fachgruppe dafür, dass Missstände abgestellt werden, es wäre aber von der Seite der Softwarehersteller sinnvoller, sich mit den Betrieben zusammen zu setzen und gemeinsam Überlegungen anzustellen als solche Aktionen zu starten, so Seyruck. (APA)

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