Experten suchen weiter nach Ursache für Tiroler Busunglück

3. Mai 2001, 12:07
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Opfer nicht mehr in unmittelbarer Lebensgefahr

Innsbruck - Die Ursache des schweren Busunglücks auf der Tiroler Inntalautobahn bei Vomp vom Dienstagabend, bei dem sechs Menschen starben und 53 weitere Insassen zum Teil lebensgefährlich verletzt wurden, ist weiter nicht restlos geklärt. Techniker des Landesgendarmeriekommandos nahmen am Donnerstag die Überprüfung des Wracks vor.

Unterdessen befanden sich jene fünf Personen, die in die Intensivstation der Innsbrucker Klinik eingeliefert worden waren, "nicht mehr in unmittelbarer Lebensgefahr", teilte der behandelnde Arzt und Leiter der Traumatologischen Abteilung, Wolfgang Koller, der APA mit.

Intensivstation

Wie lange die Patienten noch auf der Klinik bleiben müssen, könne zur Zeit noch nicht abgeschätzt werden, betonte Koller. Nach Unfällen dieser Art betrage aber die "durchschnittliche Liegedauer" auf der Intensivstation zwischen zehn und 14 Tagen.

Die Untersuchungen des "gesamten Fahrwerkes" des Wracks, das sich in der Autobahnmeisterei in Vomp befindet, sollen nun Aufschluss darüber geben, ob ein technisches Gebrechen zum Unglück führte. Ein Untersuchungsergebnis könnte "gegen Ende der nächsten Woche" vorliegen. Das Resultat werde anschließend der Staatsanwaltschaft Innsbruck übermittelt.

Nach Angaben der Zillertaler Verkehrsbetriebe vom Mittwoch sei der 30-jährige Unglückslenker seit vier Jahren im Unternehmen und mit Gelenkbussen bisher ohne Probleme unterwegs gewesen. Ein Alko-Test habe 0,0 Promille ergeben, die vorläufige Auswertung des Tachografen eine Geschwindigkeit "nicht schneller als 100 km/h", hatte Bezirkshauptmann Karl Mark betont. Ein Überholvorgang war von der Gendarmerie ausgeschlossen worden. Fahrzeuge ähnlichen Bautyps wollte das Busunternehmen bis zum Ergebnis der technischen Überprüfung vorerst aus dem Verkehr ziehen.

Lenker und Passagiere über Fahrbahnschäden einig

Der Lenker hatte, ebenso wie Passagiere, angegeben, dass er durch Fahrbahnschäden die Herrschaft über den hinteren Teil des Wagens verloren habe. Der Bus walzte die Mittelleitschiene nieder, kippte um und zerbrach in zwei Teile. Sechs Insassen - drei Frauen und drei Männer im Alter zwischen 59 und 80 Jahren aus dem Tiroler Unterinntal - starben, 53 Personen wurden zum Teil schwer verletzt.

Der in der Landesregierung für das Verkehrsressort zuständige Landeshauptmann Wendelin Weingartner hatte am Mittwoch in einer Pressekonferenz betont, dass dem Straßenerhalter Asfinag bereits im vergangenen Sommer die Spurrillen am betroffenen Straßenstück gemeldet worden seien. An der Unfallstelle gebe es entsprechende Warnschilder, aber kein Tempolimit. Der Beginn der Reparaturarbeiten sei in etwa zwei Wochen vorgesehen und habe bereits vor dem Unfall fest gestanden, hatte Weingartner betont.

Die Gruppe eines Wandervereins hatte sich am Abend auf der Rückfahrt von einem Ausflug in Bozen befunden. Den Rettern bot sich ein Bild des Grauens. Auf der Fahrbahn befanden sich abgerissen Gliedmaßen, mehrere Insassen mussten aus dem total demolierten Wrack geschnitten werden. Zwei der Schwerstverletzten erlitten Amputationen. Im Einsatz standen mehr als 200 Sanitäter und Feuerwehrleute, sechs Rettungshubschrauber und Psychologen. Alle Opfer stammen aus dem Unterland. (APA)

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