Kampf den Raubkopien

4. Mai 2001, 10:47
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Softwarehersteller: "36 Prozent aller in Österreich gewerblich genutzten Software sind illegal"

Linz - Die weltweit größten Hersteller von Computersoftware starten jetzt auch in Österreich einen "Feldzug" gegen die ihrer Ansicht nach weit verbreiteten "Raubkopien". Eine spezielle Interessengemeinschaft beginnt mit der Fahndung nach illegal eingesetzter Software in Oberösterreich, die Ausdehnung auf alle anderen Bundesländern ist vorgesehen. Man will in der ersten Phase aber den Firmen vier Wochen lang die Chance geben, sich freiwillig zu melden und die Lizenzen nachzukaufen.

Bei der Interessengemeinschaft handelt es sich um die "Business Software Alliance" (BSA), die 1988 gegründet wurde und sich weltweit für den Schutz von Software als geistigem Eigentum einsetzt. Hinter der BSA stehen laut deren Auskunft 85 Prozent der weltweit tätigen Hersteller von Standardsoftware.

36 Prozent illegal

Zur Dimension des "Schwarzmarktes" in diesem Bereich meinte am Donnerstag der für Zentraleuropa zuständige BSA-Manager Georg Herrnleben im Gespräch: "Nach unseren Berechnungen, die wir gemeinsam mit Marktforschern durchgeführt haben, sind 36 Prozent aller in Österreich gewerblich genutzten Software illegal, also Raubkopien, ohne dass die entsprechenden Lizenzgebühren bezahlt wurden". Mit anderen Worten, so Herrnleben, für die Softwarehersteller sei allein in Österreich im Jahr 1999 - das seien die neuesten vorliegenden Zahlen - durch Raubkopien ein Schaden von 67 Mill. US-Dollar (1.039 Mill. S) entstanden.

Wirtschaft "befremdet"

Befremdet reagierten die Vertreter der Wirtschaft auf die Ankündigung nach Raubkopien in Betrieben fahnden zu wollen. Es sei keine Art, wie hier vorgegangen werde und wie Behauptungen und Zahlen in den Raum gestellt würden, die durch nichts bewiesen seien, erklärte Wilfried Seyruck von der Fachgruppe für Unternehmensberatung und Informationstechnologie in der oberösterreichischen Wirtschaftskammer. Die Zahl von angeblich 36 Prozent illegal verwendeter Software in gewerblichen Betrieben Österreichs hält Seyruck für weit überhöht.

Grundsätzlich sei natürlich auch die Fachgruppe dafür, dass Missstände abgestellt werden, es wäre aber von der Seite der Softwarehersteller sinnvoller, sich mit den Betrieben zusammen zu setzen und gemeinsam Überlegungen anzustellen als solche Aktionen zu starten, so Seyruck.(APA)

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