Silvio Berlusconi

3. Mai 2001, 12:05
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Nach sechs Jahren Opposition hofft Italiens reichster Mann auf ein Comeback zum Premier - Die EU hingegen bangt

Rom - Die Schmach vom November 1994, als er nach nur 226 Tagen vom Amt des Ministerpräsidenten zurücktreten musste, hat Silvio Berlusconi bis heute nicht überwunden: Nach sechs schwierigen Jahren auf den harten Bänken der Opposition fiebert der Medientycoon und Chef der italienischen Mitte-Rechts-Allianz dem 13. Mai entgegen. Am "Tag des Gerichts", wie Berlusconi den Wahlsonntag bezeichnet, hofft der 63-jährige Mailänder sein Ziel zu verwirklichen und Italien vom "Regime der Linken" zu befreien.

Berlusconi tritt für weitgehende Privatisierungen, Steuererleichterungen für Großverdiener und einen Abbau des Sozialstaates ein. Die Italiener forderte er auf, ihm zwei Legislaturperioden lang Zeit zu geben, um das Land zu revolutionieren und auf bisher beispiellose Effizienzstandards zu bringen. Dabei stellt der Mailänder offen sein Selbstbewusstsein zur Schau: "Meine Fähigkeiten sind unumstritten. Alle anderen können nur von meiner menschlichen Qualität und meiner Vergangenheit träumen. Es gibt weltweit keine politische Persönlichkeit, die sich mit mir messen kann."

Medien

Sein Selbstbewusstsein stützt sich vor allem auf seine brillante Karriere als Unternehmer, der in wenigen Jahren Italiens größtes privates Fernsehimperium aufgebaut hat. Angefangen hatte Berlusconi als Staubsaugerverkäufer und Animateur auf Kreuzfahrtschiffen. Nach Ende seines Jus-Studiums stieg er in Mailand in die Baubranche ein. Er erwarb mit Bankkrediten Grundstücke und errichtete Wohnsiedlungen am Mailänder Stadtrand. Nach und nach errichtete er ein Netz von Privat-TV-Sendern, das bald zum größten seiner Art in Europa wurde. Derzeit betreibt die "Mediaset" - Teil der Holding "Fininvest" - drei landesweite TV-Sender. Der Medientycoon ist Italiens reichster Mann.

Fußball

Neben den TV-Kanälen kontrolliert Fininvest auch Filmgesellschaften, Verlage, Banken und Immobiliengesellschaften und ist auch in der Informationstechnologie aktiv. Wie sein Kontrahent Francesco Rutelli ist auch Berlusconi Fußball-Fan und außerdem Präsident des Spitzenklubs A.C. Milan.

Politik

1994 gewann er die Parlaments- und Europawahlen an der Spitze einer Mitte-Rechts-Allianz. Wegen Konflikten zwischen ihm und Umberto Bossis sezessionistischer Lega Nord brach die Koalition nach knapp neun Monaten zusammen. Die neue Technokraten-Regierung schrieb schließlich Neuwahlen aus. 1996 gewann die Mitte-Links-Koalition unter dem heutigen EU-Kommissionspräsidenten Romano Prodi die Parlamentswahlen. Für Berlusconi begann eine tiefe politische und persönliche Krise.

Die Allianz schien sich nicht vom harten Schlag der Niederlage zu erholen. Die Mailänder Staatsanwälte leiteten eine Reihe von Korruptionsuntersuchungen gegen Berlusconi ein. Er wurde sogar beschuldigt, Geschäfte mit prominenten Mafia-Familien abgewickelt zu haben. Der stets braungebrannte und lächelnde Medientycoon erkrankte an Prostata-Krebs, konnte aber geheilt werden. Im März 2000 schloss er erneut einen Wahlpakt mit der Lega Nord, der sich für einen Wahlsieg in Norditalien als entscheidend erweisen könnte.

Sieg Berlusconis => Harte Zeiten für die EU

Ob Berlusconi es am 13. Mai schaffen wird, seinen Traum zu verwirklichen, ist offen. Zwar geht aus den Meinungsumfragen ein deutlicher Vorsprung des Medienzaren hervor, doch sein Gegner Rutelli baut langsam den Vorsprung ab. Fraglich ist auch, ob diesmal die Allianz mit dem unberechenbaren Bossi halten wird. Hinzu kommt noch die Ungewissheit wegen der europäischen Reaktionen auf einen eventuellen Wahlsieg. Nach Auffassung internationaler Kommentatoren könnten der Europäischen Union bei einem Wahlsieg Berlusconis stürmische Zeiten bevorstehen. Seinen Bündnispartnern - der separatistischen Lega Nord und der post-faschistischen Alleanza Nazionale unter Gianfranco Fini - wird auf europäischer Ebene zum Teil starkes Misstrauen entgegen gebracht. (APA)

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