Action tut not

3. Mai 2001, 11:35
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Über kurz oder lang braucht die Wirtschaft uns Frauen wie einen Bissen Brot - meint Lydia Ninz

Endlich! Die jüngste Studie des Wirtschaftsforschungsinstitutes (Wifo) hat es geschafft, auf breiter Ebene Bewußtsein zu schaffen für etwas, was Eingeweihte schon länger wissen: über kurz oder lang braucht die Wirtschaft uns Frauen wie einen Bissen Brot.

Damit die Wirtschaft florieren und der Wohlstand des Landes erhalten werden kann, fehlen in den nächsten vier Jahren 165.000 Menschen, die arbeiten. Und so könnte laut Wifo diese Lücke geschlossen werden: 30.000 Frauen sollen zusätzlich arbeiten gehen, 60.000 Arbeitslose in Beschäftigung gebracht werden und 40.000 Beschäftigte länger im Job bleiben. Und weitere 35.000 Menschen sollen durch Zuwanderung auf den heimischen Arbeitsmarkt strömen.

Zwar haben die ExpertInnen nicht genau gesagt, wieviel von diesen zusätzlich zu mobilisierenden Arbeitslosen, Beschäftigten und Zuwanderern Frauen sein werden. Trotzdem lässt sich ohne viel Risiko sagen, dass das Gros der 165.000 Frauen sind.

Gut. Das Problem ist erkannt, die Lösung skizziert. Und was passsiert? Die PolitikerInnen – allen voran die Regierung – streiten herum, ob Zuwanderung not tut (Bartenstein VP) oder nicht (Westenthaler FPÖ). Statt Zeit und Energien zu verschwenden sollten alle Beteiligten – PolitikerInnen wie Sozialpartner – überlegen, wie sie die dringend benötigten Arbeitskräfte auch tatsächlich bekommen können, vor allem, welche Qualifikationen konkret gefragt sind.

Welche Anreize gibt es etwa für junge Mädchen, zukunftsträchtige Jobs zu erlernen? Was passiert in den Schulen, werden hier tatsächlich die richtigen Weichen gestellt? Welche Rahmenbedingungen bietet die Gesellschaft den Vätern und Müttern, Kind und Karriere unter einen Hut zu bringen? Was fällt den Firmen an Modellen ein, um ältere MitarbeiterInnen länger an sich zu binden? Was tun wir Frauen selbst, um uns und unseren Töchtern gut bezahlte Jobs zu sichern?

Es ist viel zu tun. Denn in Realität spielt es das Gegenteil. Viele Frauen von Einwanderern sind weiterhin zum beruflichen Nichts-Tun oder zur Schwarzarbeit verdammt, weil sie keine Arbeitsgenehmigung bekommen. Firmen und die Bundeskammer schmeissen ihre 55-Jährigen Mitarbeiterinnen und ihre 60-Jährigen Mitarbeiter reihenweise und vorzeitig hinaus, um als Organisation Geld zu sparen. Und es gibt immer noch zuviel Schulen, wo Mädchen und Buben beruflich in Sackgassen gelenkt werden.

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