Bertelsmann Music setzt jetzt auf Kooperation und kleinere Übernahmen

3. Mai 2001, 12:36
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Spekulationen über Übernahme von Jive Records abgelehnt

Frankfurt - Nach dem Scheitern der Fusionspläne mit der britischen EMI Group setzt die Bertelsmann Music Group (BMG) nach den Worten ihres Chefs Rolf Schmidt-Holtz jetzt auf Kooperationen und kleinere Übernahmen. Jetzt stünden eher Gespräche über Kooperationen an, sagte Schmidt-Holtz am Mittwochabend in einem Interview. Zwar seien auch jetzt noch Übernahmen denkbar, sagte Schmidt-Holtz weiter. Diese seien aber von der Größe her nicht mit der geplanten Fusion mit EMI zu vergleichen. Es gehe vielmehr um kleinere Unternehmen, beispielsweise unabhängige Plattenlabels.

Die monatelangen Verhandlungen zwischen Bertelsmann und EMI über einen Zusammenschluss von EMI und BMG zu einem der größten Musikunternehmen der Welt waren an kartellrechtlichen Fragen gescheitert. Allein ist BMG die Nummer Fünf an der Spitze der Musikindustrie, die von Universal Music angeführt wird. Dazwischen liegen Sony, EMI und Warner Music.

Kooperationen seien mit verschiedenen Partnern möglich, sagte Schmidt-Holtz, ohne Namen zu nennen. Der BMG-Chef lehnte Spekulationen über eine Übernahme des Labels Jive Records ab, mit dem BMG bereits ein Vertriebsabkommen hat. Die Idee sei vielmehr, dieses Vertriebsabkommen zu stärken und möglicherweise auszubauen, sagte Schmidt-Holtz. BMG hält 20 Prozent der Anteile an Jive Records, die Stars wie Britney Spears und die Backstreet Boys unter Vertrag haben. Dieses Vertriebsabkommen wird voraussichtlich im Juni neu verhandelt.

BMG sehe diese Verhandlungen nicht als Gelegenheit, Jive zu übernehmen und Jive-Chef Clive Calder zu BMG zu holen, sagte Schmidt-Holtz. Calder gilt in der Branche als ausgezeichneter Musik-Manager.

Der ehemalige "Stern"-Chefredakteur Schmidt-Holtz hatte die BMG-Führung im Jänner übernommen, nachdem der designierte BMG-Chef Rudi Gassner überraschend gestorben war. Zuvor hatte es mehrere Wechsel in der Führungsebene von BMG gegeben. Der Bertelsmann-Vorstand Schmidt-Holtz gilt in der Branche zwar als guter Medien-Manager, hat aber selbst keine Erfahrungen im Musikgeschäft. In Branchenkreisen war deshalb spekuliert worden, die Führung von Schmidt-Holtz könne nur eine Übergangslösung für BMG sein. Diese Spekulation wies Schmidt-Holtz am Mittwoch erneut zurück: Er habe einen Fünf-Jahres-Vertrag, an den er sich auch halten wolle, sagte Schmidt-Holtz. (APA/Reuters)

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