Straßenverkehr gefährdet Wasservorräte Österreichs

3. Mai 2001, 10:47
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Giftige Fahrbahnabflüsse gelangen ungeklärt in die Gewässer

Wien - Der Straßenverkehr spielt bei der Verschmutzung von Wasser sowie bei der Zerstörung von Feuchtgebieten eine größere Rolle als bisher angenommen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie von VCÖ und WWF. Durch Kfz-Emissionen, Reifenabrief und Straßenverschleiß gelangen hochgiftige Stoffe meist ungeklärt ins Grundwasser.

750 Milliarden Liter Wasser gelangen ins Grundwasser

750 Milliarden Liter Wasser gelangen in Österreich über die Straßen in das Grund-wasser. Das entspricht dem Wasserbedarf von Österreich für eineinhalb Jahre. Diese niederschlagsbedingten Fahrbahnabflüsse „können ohne Übertreibung als Giftbrühe bezeichnet werden“, betont Dipl.-Ing. Wolfgang Rauh vom VCÖ-Forschungsinstitut.

Schwermetalle und andere hochgiftige Schadstoffe

Durch Reifenabrieb, Fahrbahnverschleiß, Bodenmakierungen, Kfz-Abgase, Streusalz und Tropfverluste gelangen Schwermetalle und andere hochgiftige Schadstoffe in die Gewässer. Allein durch den Reifenabrieb werden in Österreich 123.000 kg Zink, 418 kg Blei und 80 kg Cadmium emittiert. „Besonders die Entwicklung bei Cadmium ist besorgniserregend. Bis zum Jahr 2010 werden die Cadmium-Emissionen des Straßenverkehrs um 50 Prozent steigen “, warnt VCÖ-Experte Rauh. Cadmium kann zu Apathie, Nierenschäden, Immunschwäche und Skelettverformungen führen.

Grenzwerte werden in enormer Höhe überschritten

Wasserqualitätsuntersuchungen ergaben, dass Straßenabwässer die für Trinkwasser aufgestellten Grenzwerte in enormer Höhe überschreiten: Bei Chloriden bis zu 500-fach, bei Eisen bis zu 100-fach, bei Blei bis zu 20-fach, bei Cadmium bis zu 10-fach und bei Phenolen bis zu 200-fach. Selbst die Grenzwerte für Industrieabwässer werden von den Fahrbahnabflüssen um das bis zu Zehnfache überschritten.

Zerstörung von Feuchtgebieten und Fließgewässern

Der Straßenbau ist zudem mitverantwortlich für die Zerstörung von Feuchtgebieten und Fließgewässern. 30.000 km Flüsse wurden in den letzten 50 Jahren verbaut. „Während der Wasserbau etwa im Hochwasserschutz neue Wege in Richtung Fluss-Revitalisierung geht, gibt es im Straßenbau keinerlei ökologische Richtlinien“, kritisiert Mag. Markus Schneidergruber, Flussexperte im WWF Österreich.

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