Blutiger Zwischenfall an Grenze Mazedonien-Kosovo

3. Mai 2001, 14:56
7 Postings

Zwei mazedonische Soldaten getötet - Bush sagt Trajkovski US-Hilfe zu

Skopje/Washington - In Mazedonien haben die Spannungen nach einem erneuten Angriff albanischer Rebellen am Donnerstag dramatisch zugenommen. Bei einem Gefecht wurden unweit der Ortschaft Vaksince nach Angaben der Behörden zwei Soldaten getötet und ein weiterer von Rebellen entführt. US-Präsident George W. Bush sagte in Washington dem mazedonischen Staatspräsidenten Boris Trajkovski zusätzliche Hilfe für die Wahrung der staatlichen Integrität des Balkanlandes zu. Zugleich forderte er Trajkovski auf, nach einer Lösung der Probleme im Zusammenleben der Volksgruppen zu suchen.

Die Einwohner von Vaksince und einem Nachbardorf wurden von den Behörden aufgefordert, ihre Häuser bis 15.00 Uhr zu verlassen und sich in Notunterkünfte in der Stadt Kumanovo zu begeben. Diese ultimative Aufforderung an die Bevölkerung wurde in Skopje als Indiz für eine bevorstehende Militäroffensive aufgefasst. Der mazedonische Rundfunk meldete, Separatisten hätten die Region von Vaksince zur "befreiten Zone" erklärt. Vaksince liegt nur fünf Kilometer nördlich von Skopje.

Ministerpräsident Ljubco Georgievski teilte mit, er habe vorübergehend das Verteidigungsministerium übernommen. Der bisherige Verteidigungsminister Ljuben Paunovski war am Montag zurückgetreten, nachdem bekannt wurde, das mehrere Versorgungsbetriebe der Streitkräfte von seinen Verwandten geleitet werden.

Erst am Wochenende waren bei Tetovo bei einem Rebellenangriff acht Soldaten getötet worden. Nach dem Begräbnis der Soldaten am Dienstag verwüsteten Mazedonier in Bitola, einer Stadt nahe der griechischen Grenze, und Skopje albanische Geschäfte. In der Hauptstadt drangen vermummte Angreifer in eine albanische Pizzeria ein und erschossen einen Albaner.

Die antialbanischen Krawalle haben zu Differenzen innerhalb der mazedonischen Koalitionsregierung geführt. Die rechtsnationalistische VMRO-DPMNE ("Innere Mazedonische Revolutionäre Organisation - Demokratische Partei für die Nationale Einheit") von Premier Georgievski sprach von "unliebsamen Ereignissen" und drückte indirekt Verständnis für den "Volkszorn" aus. Die "Extremisten und Terroristen" hätten ihr Ziel erreicht und die Bürger zu Exzessen und Taten veranlasst, die zum Bürgerkrieg führen könnten. Der Koalitionspartner, die Demokratenpartei der Albaner (DPA) von Arben Xhaferi, verurteilte die "offensichtlichen Anzeichen einer extremen ethnischen Intoleranz" als alarmierend. Für die DPA erinnerten die Vorfälle in Bitola unweigerlich "an die 'Kristallnacht' des Jahres 1938 in Deutschland, wo in gleicher Weise Häuser von Juden demoliert und niedergebrannt wurden".

Bushs Sprecherin Mary Ellen Countryman erklärte in Washington nach einem Empfang für Trajkovski im Weißen Haus, der US-Präsident habe dem Gast die Unterstützung der USA für den Kampf gegen die Extremisten und die Bemühungen um Lösung der Probleme mit den politischen Führern der albanischen Minderheit zugesichert. Der US-Präsident hat den Kongress gebeten, die Wirtschaftshilfe für Mazedonien (FYROM) von gegenwärtig 38,4 Millionen Dollar auf 45 Millionen im Jahr 2002 aufzustocken. Außerdem haben die USA für dieses Jahr Militärhilfe an Skopje von 17,2 Millionen Dollar zugesagt. Bush versprach darüber hinaus, in den nächsten vier Jahren zehn Millionen Dollar für den Aufbau einer mehrsprachigen Universität in der mazedonischen Albaner-Hochburg Tetovo zur Verfügung zu stellen. (APA/AP/AFP/Reuters)

Share if you care.