Italiens Linke schlägt ORF für TV-Duell Berlusconi-Rutelli vor

4. Mai 2001, 14:00
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Medienzar verweigert Konfrontation in Italien

In der heißen Phase des italienischen Wahlkampfes bringt die Partei der Demokratischen Linken (DS) den Österreichischen Rundfunk (ORF) ins Spiel. Da sich Oppositionschef und Medienzar Silvio Berlusconi (Mitte-Rechts-Bündnis "Polo") weigert, sich in einem TV-Duell seinem Kontrahenten Francesco Rutelli (Mitte-Links-Bündnis "Ulivo") zu stellen, machte DS-Pressesprecher Giuseppe Giulietti am Mittwoch den Vorschlag, das österreichische Fernsehen als "Terrain" für eine TV-Konfrontation zu nutzen.

Berlusconi lehnte bisher eine TV-Konfrontation mit Rutelli im staatlichen italienischen Sender RAI unter dem Vorwand ab, die RAI befinde sich - so wie die meisten anderen öffentlich-rechtlichen Sender in Europa auch - in der Hand der Kommunisten. Die regierende DS, die Rutelli unterstützt, will nun offenbar diesem Argument entgegentreten, indem der Schauplatz gewechselt werden soll. "Berlusconi soll uns endlich sagen, welche europäische Fernseh-Anstalt ihm genehm ist. Vielleicht wünscht er eine Fernseh-Debatte in Österreich, weil dort ein Mitte-Rechts-Kabinett das Land regiert", erklärte Giulietti am Mittwoch Abend.

"Rutelli hätte jedenfalls keine Probleme, an einer Fernsehdebatte auch in Wien teilzunehmen. Wir fürchten aber auch in diesem Fall schon Berlusconis Vorbehalte: Auch Wien könnte für ihn wegen des Erfolgs der SPÖ bei den Gemeinderatswahlen eine zu rote Stadt sein. Wir wissen alle, dass Berlusconi stets von einem kommunistischen Komplott redet", sagte Giulietti.

Laut Giulietti sieht sich Berlusconi als Opfer der europäischen Medien. "Nicht nur in Italien, sondern in ganz Europa stehen die Medien laut Berlusconi unter kommunistischer Kontrolle. Bald wird er auch amerikanische Zeitungen der kommunistischen Propaganda beschuldigen. Er sollte uns vielleicht eine Liste jener Fernsehsender und Zeitungen vorlegen, die sich seiner Meinung nach weder in den Händen der Kommunisten noch der jüdisch-freimaurerischen Plutokratie befinden", erklärte Giulietti.

Berlusconis Partei Forza Italia kommentierte Giuliettis Vorschlag mit demonstrativer Gelassenheit. "Der Abgeordnete Giulietti glaubt wohl, er sei nun zum Pressesperecher von Forza Italia geworden. Wir lassen ihn reden, denn er ist ohnehin harmlos", erklärte der Pressesprecher der Berlusconi-Partei, Paolo Bonaiuti, gegenüber der italienischen Nachrichtenagentur ANSA.

Der ORF selbst hat von den Plänen der Demokratischen Linken keine Kenntnis

"Es ist uns zwar bestens bekannt, dass sich Berlusconi einem TV-Duell entziehen möchte, doch von Plänen, eine solche Sendung in Wien im Rahmen des ORF zu machen, ist uns nichts bekannt", erklärte dazu Michael Krause von der ORF-Pressestelle. (APA)

Giulietti: Vielleicht wünscht Berlusconi eine Fernseh-Debatte in Österreich, weil dort ein Mitte-Rechts-Kabinett das Land regiert".
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