Emotionale und soziale Kompetenz sind Erfolgsfaktoren

3. Mai 2001, 09:47
posten

Kognitives Weltbild beherrscht die Wirtschaftswelt

Wien - Wenn Unternehmen und Fußballclubs scheitern, liege es in erster Linie nicht an fehlendem Wissen oder den Fähigkeiten, sondern am Fehlen der sozialen Kompetenz als Ergänzung zur Sachkompetenz, so Gunther Schmidt, Arzt und Psychotherapeut am 1. Weltkongress für systemisches Management in Wien.

Fußballclub als Beispiel

Ein absteigender Fußballclub sei ein gutes Beispiel dafür. Da könne man erkennen, wie durch Schuldzuweisungen und Fokussierung des Misserfolges, das tatsächliche Scheitern vorweggenommen werde. "Erfolg und Selbstverwirklichung sind keineswegs nur Ausdruck individueller Eigenschaften einer Person, sondern das Ergebnis von Wechselwirkungen", so der Experte. Die Leitfigur des wirtschaftlichen Handelns klebe am kognitiven Weltbild, das die emotionale Komponente abwertet. Kognition beherrsche aber Intuition. Sätze wie "Das Bessere ist der Feind des Guten" seien daher falsch. Richtigerweise sollte es heißen, "Das Bessere ist der kleine Bruder des zu erhaltenden Guten".

Zwickmühlensituationen

Die großen Probleme sieht der Arzt, der auch Leiter des Milton Erickson-Institutes in Heidelberg ist, in der unüberschaubaren Komplexität des modernen Wirtschaftslebens, die der Verarbeitungskapazität der rationalen Funktionsbereiche des menschlichen Gehirns übersteigt. "Entscheidungen werden daher meist unter Unsicherheitsbedingungen geleistet. Intuition wird so zum zentralen Kompetenzfaktor, um unter diesen Bedingungen optimale Entscheidungen treffen zu können", so Schmidt. In komplexen Systemen entstehen aber auch permanent Zwickmühlensituationen für Führungskräfte, da man bei limitierten Kapazitäten meist nicht allen relevanten Anforderungen genügend gerecht werden kann. "Um als Manager darin nicht völlig aufgerieben zu werden, ist ein optimales Selbstmanagement, ein Selbst-Gesundheits-Coaching, erforderlich."

Rituale der Wertschätzung

"Affekte müssen dabei anders bewertet werden. Wir brauchen Rituale der Wertschätzung zur Sinnorientierung", ergänzt Schmidt. Angst und Druck erzeugen nämlich die Ausschüttung von Hormonen, die keine optimale Nutzung der Kompetenzen zulassen, sondern zu verengtem Denken führen. Das gehe dann zu Lasten guter Entscheidungen. (pte)

Share if you care.