Leitl schlägt Bonusregelung für Spätpensionisten vor

3. Mai 2001, 09:14
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Zusätzlich sollen Teilzeitpensionsmodelle und Weiterbildungsmaß- nahmen für "positive Anreize" sorgen

Wien - Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl setzt eher auf das "Zuckerbrot" als auf die "Peitsche", wenn es darum geht, den ÖsterreicherInnen einen späteren Pensionsantritt schmackhaft zu machen. "Wenn es gelingt, das generelle Pensionsantrittsalter - wie vom Bundeskanzler vorgeschlagen - auf 65 Jahre zu heben, würde ein wirtschaftliches Potenzial von 30 bis 40 Mrd. S frei werden. Mit einem Teil davon könnte man über eine Bonusregelung positive Anreize für das längere Arbeiten schaffen", sagte Leitl Mittwoch Abend bei einem Hintergrundgespräch vor JournalistInnen in Wien.

"Wenn das staatliche Türl zu ist, wird niemand so leicht rausgehaut, nur weil er älter ist."

Als weitere Möglichkeit könnten bereits existierende Teilzeitpensionsmodelle, die ein "Übergleiten" in die Pension ermöglichen, attraktiver gemacht werden. Dies erfordere eine entsprechende "Bewusstseinsbildung" auch bei Unternehmern, räumte Leitl ein. Bei den Arbeitnehmern müsse das Bewusstsein geschärft werden, dass sie mit solchen Modellen das letzte Drittel ihres Erwerbslebens mit gestalten könnten, statt "in geduckter Haltung" auf das Hinausschieben des Pensionsantrittsalters durch die nächste Pensionsreform zu warten. Das "Hinausdrängen" älterer Arbeitnehmer durch die Unternehmer selbst sei heute nicht mehr der Regelfall, glaubt Leitl: "Wenn das staatliche Türl zu ist, wird niemand so leicht rausgehaut, nur weil er älter ist."

Weiterbildung Da Arbeitnehmer ab 50 bisher wenig Willen zur Weiterbildung gezeigt hätten, sollten die Sozialpartner einiges dagegen unternehmen - etwa eine entsprechende "Marketingoffensive" von WIFI und BFI, kostenlose Internet-Selbstlernprogramme für alle ab 35 oder besonders gute Tarife bei der beruflichen Weiterbildung für alle über 50-Jährigen.

Behinderten-Eingliederung am Arbeitsmarkt durch Senkung der Schutzbestimmungen

Weiters tritt Leitl für Maßnahmen zur besseren Eingliederung von 27.000 Behinderten in den Arbeitsmarkt ein. Um dieses Ziel zu erreichen, müsse die Motivation der Betriebe, Behinderte einzustellen, statt sich mit einer "Ausgleichstaxe" davon freizukaufen, erhöht werden, erklärte Leitl.

Der Wirtschaftskammerpräsident sprach sich dafür aus, das besonders hohe Niveau der Schutzmaßnahmen für Behinderte auf dem Arbeitsmarkt zu senken: So soll die Probezeit von drei auf sechs Monate ausgeweitet werden und die extrem starke Kündigungsschutzgesetzgebung durchlässiger gemacht werden: Arbeitsmarktservice und/oder Betreuer der so genannten "Arbeitsassistenz" sollten sich künftig als Mediatoren in Konflikte zwischen behinderten Dienstnehmer und Dienstgeber einschalten.

Betrieben, die sich bisher von behinderten Arbeitnehmern trennen wollten, dies praktisch aber nicht tun konnten, müsse jedenfalls eine "faire Chance" eingeräumt werden, meinte Leitl. Durch derlei Maßnahmen könnten allein heuer 4.000 Behinderte mehr zu einem Job kommen. (APA)

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