NASA will Schadenersatz wegen Titos Weltraumflug

4. Mai 2001, 19:34
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Besatzung der Raumstation müsse "Babysitter für Herrn Tito spielen"

Moskau/Washington - Russland hat mit Verwunderung auf NASA-Forderungen nach Schadenersatz wegen des Flugs des ersten Weltraumtouristen Dennis Tito reagiert. "Jeder kümmert sich um seine Angelegenheiten, bisher gab es noch keine Klagen an Bord", sagte der stellvertretende Flugleiter Viktor Blagow am Donnerstag nach Angaben der Nachrichtenagentur Itar-Tass.

Nach der Rückkehr Titos von der Internationalen Raumstation ISS will die amerikanische Weltraumbehörde NASA nach eigenen Angaben die Kosten für entgangene Konstruktions- und Forschungszeit von den Russen zurückfordern.

"Babysitter"

Tito wird nach einer knappen Woche im All an Bord der Sojus-Kapsel voraussichtlich am Sonntag um 7.41 Uhr MESZ in der kasachischen Steppe landen. Zurzeit müsse die ISS-Langzeitbesatzung "Babysitter für Herrn Tito spielen und sicherstellen, das nichts schief geht, denn Sicherheit ist unsere oberste Priorität", zitierte die Agentur space.com den NASA-Chef Daniel Goldin in einer Rede vor Kongressabgeordneten in Washington. Der Aufenthalt Titos in der Internationalen Raumstation ISS habe die Mitarbeiter der NASA in erheblichen Stress versetzt. Tito sei nicht klar, dass die Bemühungen Tausender Menschen in den USA und in Russland darauf ausgerichtet seien, für die Sicherheit Titos und der ISS-Mannschaft zu sorgen.

Die russische Raumfahrtbehörde Rosawiakosmos konterte dagegen, der Aufenthalt des Millionärs Titos an Bord habe die geplanten Arbeiten nicht behindert. Sollte der Weltraumtourist im All Schaden anrichten, komme er dafür selbst auf, sagte ein Rosawiakosmos-Sprecher. Bisher habe die NASA noch keine offiziellen Schadenersatz-Forderung an die russischen Partner gerichtet.

Eine Woche Weltraumurlaub

Tito war am Montag in der ISS eingetroffen und soll dort eine Woche lang bleiben. Für seine Reise hatte er der russischen Raumfahrtbehörde umgerechnet 44 Millionen Mark (22,5 Mill. Euro/310 Mill. S) bezahlt. Die NASA und andere am Bau der ISS beteiligten Partner hatten den Besuch des 60-jährigen Tito in der Raumstation zunächst abgelehnt und später nur mit Auflagen genehmigt. So musste der US-Millionär unter anderem zusagen, für sämtliche von ihm angerichteten Schäden aufzukommen. Außerdem musste er auf mögliche Schadensersatzansprüche gegen die NASA verzichten.

Titos ursprüngliches Ziel war die russische Weltraumstation "Mir", die jedoch in diesem Jahr kontrolliert zum Absturz gebracht wurde. Da die russische Raumfahrtbehörde nicht auf das Geld Titos verzichten wollte, veranlasste sie den Flug zur ISS, zu der Tito mit zwei Kosmonauten in einer russischen "Sojus"-Kapsel gelangte. An dem Aufbau der ISS sind die USA, Russland, Kanada, Japan und europäische Staaten beteiligt. (APA/Reuters/dpa)

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