Diabetes lässt sich auch "5 Minuten vor 12" noch verhindern

3. Mai 2001, 21:47
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... auch wenn bereits Glukose-Interoleranz besteht

Helsinki/Washington - Das könnte - so die Gefährdeten die Ratschläge der Wissenschafter befolgen - eine gute Nachricht für Millionen Menschen weltweit sein: Typ-2-Diabetes ("Altersdiabetes") lässt sich verhindern, auch wenn Menschen bereits an einer Vorstufe der Zuckerkrankheit - Glukose-Interoleranz - leiden. Der Weg dazu laut finnischen Experten: Abnehmen, weniger Fett in der Ernährung, mehr Bewegung.

"Im Studienverlauf sank das Diabetesrisiko in der Interventionsgruppe um 58 Prozent. (...) Typ-2-Diabetes kann bei Personen mit hohem Erkrankungsrisiko durch eine Änderung des Lebensstils verhindert werden." Diese Aussagen von Jaakko Tuomilehto und seinen Mitarbeitern von der Abteilung für Sozialmedizin der Universität Helsinki in der neuesten Ausgabe der US-Medizin-Fachzeitschrift "The New England Journal of Medicine" (3. Mai) dürften bei den Fachleuten weltweit auf Aufsehen sorgen.

Der Hintergrund

Die Zahl der Diabetes-Kranken nimmt weltweit rapide zu. Das liegt am zunehmend "westlichen" Lebensstil und an der steigenden Lebenserwartung. In Österreich sind rund 400.000 Menschen zuckerkrank, zumindest auf 100.000 wird die Dunkelziffer geschätzt. Zuckerkranke haben ein enorm gesteigertes Herzinfarkt-Risiko. Es beträgt das Sieben- bis Zehnfache von Nicht-Diabetikern. Nierenversagen (Dialyse), Erblindung und Nervenschäden drohen ebenfalls.

Die finnischen Wissenschafter: "Typ-2-Diabetes nimmt zu. Das liegt vor allem daran, dass sitzender Lebensstil und Fettsucht zunehmen."

Studie

Die Sozialmediziner organisierten deshalb eine große Studie mit 522 Probanden im Durchschnittsalter von 55 Jahren (172 Männer und 350 Frauen). Diese mussten fettsüchtigt sein (Body-Mass-Index - BMI - von mehr als 30; BMI: Körpergewicht in Kilogramm durch Körpergröße in Meter zum Quadrat). Weiters mussten sie in einem Glukose-Toleranztest bereits die ersten Anzeichen für eine versagende körpereigene Kontrolle des Blutzuckerspiegels aufweisen. Das geschieht über einen Glukose-Toleranztest, bei dem der Betroffene eine bestimmte Menge Zuckerlösung trinken muss. Dann wird sein Blutzuckerspiegel verfolgt.

265 Testpersonen bekamen eine individuelle Beratung. Das bedeutete Informationen über richtige Ernährung, Abnehmen, Reduzierung des Fettanteils am Essen und Vermehrung der Ballststoff-Aufnahme. Zusätzlich wurden die Testpersonen zu mehr körperlicher Bewegung angehalten. Der Rest der Testpersonen wurde einfach beobachtet. Dieser Zeitraum betrug durchschnittlich 3,2 Jahre.

Das wichtigste Ergebnis:

Nach vier Jahren waren elf Prozent der Probanden mit intensiver Betreuung an echtem Diabetes erkrankt. In der Vergleichsgruppe ohne Lebensstiländerung betrug der Anteil der Zuckerkranken schließlich 23 Prozent. Das bedeutete eine Gefährdungsreduktion um 58 Prozent. Nach zwei Jahren hatten die besser betreuten Personen übrigens durchschnittlich immerhin 3,5 Kilogramm Körpergewicht abgebaut.

Erst vergangene Woche haben führende österreichische Fachleute darauf hingewiesen, dass das Cholesterin-senkende Medikament Pravastatin bei gesunden Männern mit einem erhöhten Blutfettspiegel einen Diabetes-Schutzeffekt von rund 30 Prozent entfalten kann. Das hat eine neuerliche Analyse einer groß angelegten Studie mit rund 6.000 Probanden in Schottland ergeben. Der Grund dafür könnte in der gleichzeitig auch erfolgenden Reduzierung des Triglycerid-Spiegels im Blut bzw. in anderen "positiven" Nebeneffekten liegen. Der Lebensstil hat aber offenbar eine zumindest genau so große Vorbeugewirkung. (APA)

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