Neues Science- und Art-Center und mehr Transparenz

3. Mai 2001, 14:41
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Mailath-Pokornys erste Denkanstöße für Wiens Kultur

Wien - Am Mittwoch hatte Wiens neuer Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny seinen ersten Arbeitstag im Rathaus, der APA gab er dabei die Möglichkeit zu einem ersten Gespräch. Verkündigungen über konkrete Entscheidungen in Sach- und Personalentscheidungen waren dabei nicht zu erwarten; es ging eher um Ausrichtungsfragen.

Ein Abgehen vom langjährigen Wiener Usus, keine neuen Theater zu finanzieren, war dabei ein Thema: "Sonst kommt es zu einer Versteinerung. Es ist die Kunst der Verwaltung, zu ermöglichen, dass etwas Neues entstehen kann. Es darf keinen Schlusstrich geben, das ist mit einer lebendigen Stadt und einer lebendigen Kulturpolitik nicht vereinbar." Der zuletzt erfolgreich neu gestartete Rabenhof könnte davon profitieren.

Interdisziplinäre Projekte zwischen Kunst und Wissenschaft, deren Ressorts in Wien zusammenfallen, wurden avisiert: "Wir werden mit Sicherheit in dieser Legislaturperiode ein Science- und Art-Center in Angriff nehmen - ob auf der Platte oder anderswo. [...] Linz hat gerade diesen Bereich sehr gut genützt und als Trademark ausgebaut. Man wird das nicht kopieren können, aber es gibt hier noch ein sehr großes Potenzial".

Transparentere Entscheidungen sollen kommen: "Es wird keinen Weg zurück geben bei der Entparteipolitisierung in den Kulturvereinen. Im Gegenteil: Ich werde mich voraussichtlich sogar als Eigentümervertreter bei der Gesellschaft der Wiener Festwochen zurückziehen und das jemandem anderen, einem Beamten oder einer anderen Persönlichkeit, übertragen."

Bewegung könnte in zuletzt diskutierte Institutionen kommen: "Es gibt einige Institutionen, wie Kammeroper oder Filmmuseum, die so organisiert sind, dass der Subventionsgeber Geld investiert, ohne Einfluss nehmen zu können. Es wird auch dort nicht darum gehen, inhaltlich zu intervenieren, aber es ist in der Verantwortung der Kulturpolitik, dass ein künstlerisches und wirtschaftliches Ergebnis rauskommt, das herzeigbar ist. [...] Das völlige Danebenstehen und Zuschauen kann es nicht geben - die Josefstadt ist ein gutes Beispiel dafür, wie es nicht gehen darf."

Noch nicht konkret behandelt ist die Frage eines eventuellen Häusertausches zwischen Volksoper und Theater an der Wien, aber absehbar: "Mit Finanzstadtrat Sepp Rieder habe ich in einem ersten Gespräch vereinbart, dass wir beim Theater an der Wien einvernehmlich entscheiden, wobei die Beurteilung der inhaltlichen Fragen bei mir liegt." Vorläufiger Eindruck: "Anderswo werden mit Milliardenaufwand Opernhäuser errichtet, während wir im Theater an der Wien ein wunderbares Opernhaus, ein ideales Mozart-Haus, und auch ein geeignetes Haus für die Operette haben. Das Ganze läuft auf eine gemischte Nutzung hinaus." (APA/red)

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