Ökologie, ethnische Unterdrückung und ein Ölkonzern

2. Mai 2001, 22:08
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Eine brisante Mischung prägt das Ogoni-Land Nigerias

Port Harcourt - Der Ölkonzern Royal Dutch/Shell in Nigeria ist nach Angaben eines Sprechers um Schadensbegrenzung nach einem größeren Ölaustritt im Gebiet der nigerianischen Ogoni-Minderheit bemüht. Der Konzernsprecher teilte am Mittwoch in Port Harcourt mit, ein Experten-Team habe im Yorla-Ölfeld im Ogoni-Land das Leck an einer Bohrstelle untersucht. Die Experten vermuteten eine Sabotage als Ursache des Öl-Lecks. Mit Unterstützung von Spezialisten sei geplant, die Umgebung der Auslaufstelle mit Gräben zu sichern, um eine Ausbreitung des Öls zu verhindern.

Nach Angaben der nigerianischen Bewegung für das Überleben des Ogoni-Volkes (MOSOP) dürfte es sich um ein größeres Ölunglück mit gravierenden Folgen für die Umwelt handeln. Der Shell-Konzern hat bisher keine Angaben über die Menge des ausgetretenen Öls und die etwaigen Risiken gemacht. 1993 hatte der Konzern seine Operationen in dem Gebiet wegen der Unruhen der Ogoni eingestellt. Der Shell-Sprecher sagte, die Ogoni hätten Geld für die Sicherung der Anlagen verlangt.

Der aus rund 500.000 Mitgliedern bestehende Stamm der Ogoni im an Ölvorkommen reichen Flussdelta des Niger ist eine kleine Minderheit unter den 100 Millionen Einwohnern des Landes. Sie hatten Anfang der 90er Jahre mit einer Protestkampagne gegen der ihrer Darstellung nach mit der Gewinnung der Ölvorkommen verbundenen Umweltschäden begonnen. Einer der bekanntesten Sprecher der Ogoni-Widerstandsbewegung MOSOP war der nigerianische Schriftsteller Ken Saro-Wiwa, der zusammen mit acht weiteren Ogoni-Vertretern am 10. November 1995 trotz weltweiter Proteste unter der damaligen nigerianischen Militärdiktatur hingerichtet wurde. (APA)

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