Diskurs über Leitbild

2. Mai 2001, 20:20
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...im Jüdischen Museum Hohenems

Hohenems - Das Jüdische Museum Hohenems befindet sich in einer Übergangsphase. Zum zehnjährigen Bestehen versuchte man am vergangenen Sonntag mit internationalen Experten eine Standortbestimmung.

Regionalmuseum, Heimatmuseum, gesellschaftspolitische Plattform, Holocaust-Gedenkstätte, Forschungsbetrieb - die Erwartungshaltungen sind vielfältig. Die personellen und finanziellen Ressourcen zur Erfüllung aller Wünsche sind aber nicht vorhanden.

Das Jüdische Museum solle lokale Geschichte zeigen, empfahl Bernhard Purin, Leiter der Jüdischen Museen Franken, "aber auch den Blick nach Österreich und in die Schweiz wagen". Auf keinen Fall dürfe die Holocaust-Periode ausgeklammert werden, fordert der St. Galler Rabbiner Schmelzer. Befürchtungen dieser Art waren laut geworden, weil in der ersten Fassung des Leitbildes die Begriffe Schoah und Holocaust nicht aufschienen.

Gerade der offene Diskurs mache das Jüdische Museum Hohenems so interessant, bestärkte Emile Schrijver vom Menasseh-ben-Israel-Institut in Amsterdam das Bestreben um Transparenz. Für den Schweizer Organisationsentwickler Samy Bill ist das Jüdische Museum "zurzeit eine Großbaustelle". Umgebaut würde "die Zusammenarbeit von Menschen".

Gerade die Personalpolitik ist der Schwachpunkt. Zwei Leiter wurden unfreundlich verabschiedet, der letzte, Thomas Krapf, führt gegen die Stadt Hohenems, die noch die Personalhoheit im Museum hat, einen Arbeitsprozess. In erster Instanz hat der 45-jährige Judaist bereits gewonnen. Krapf wollte das Regionalmuseum stärker in der internationalen Museumslandschaft verankern. "In den kommenden Wochen" will sein Nachfolger Johannes Inama das neue Leitbild festschreiben. Die künftige Organisationsform wird erst Ende des Jahres feststehen.
(jub/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3. 5. 2001)

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