Causa Omofuma: Franziskas Frage - von Michael Simoner

2. Mai 2001, 20:16
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Marcus Omofuma ist erstickt. Mit dem letzten gerichtlichen Gutachten ist es nun - beinahe - amtlich. Der nigerianische Schubhäftling starb am 1. Mai 1999, weil ihm während seiner Abschiebung von drei Begleitbeamten der Fremdenpolizei Mund und Teile der Nase verklebt worden waren. Und weil er so fest an den Sitz eines Flugzeuges gefesselt worden war, dass ein Atmen nicht mehr möglich war.

Die gerichtlichen Voruntersuchungen haben genau zwei Jahre gedauert. Nicht etwa, weil - wie in anderen Fällen derart langer Dauer - erst ein wichtiger Zeuge ausfindig gemacht werden musste. Nicht, weil vielleicht erst eine Tatwaffe gesucht werden musste. Auch nicht, weil ein hochkompliziertes DNA-Gutachten erwartet wurde. Es ging schlicht und einfach um einen Gutachterstreit, der den Sicherheits- und Justizbehörden gerade recht kam, um einen sowohl politisch als auch gesellschaftlich "brisanten" Fall zu verschleppen. Oder wie man in Österreich auch sagt: Keiner hat sich drüber'traut. Nicht die SPÖ, nicht die ÖVP, nicht die FPÖ.

Tatsächlich besteht die so genannte "Causa Omofuma" aus einer Vielzahl von fragwürdigen Einzelheiten. Eine davon ist, dass ein Unabhängiger Verwaltungssenat es ablehnte zu entscheiden, ob denn der damals 25-Jährige durch eine Menschenrechtsverletzung ums Leben kam. Sinngemäßer Grund: Tote können sich nicht beschweren. Erst der Verfassungsgerichtshof musste den Senat praktisch dazu zwingen, zuständig zu sein. Vor allem die Hinterbliebenen haben ein Recht auf eine nun rasche Entscheidung. Auch was das wahrscheinliche Strafverfahren betrifft. Wenn Omofumas kleine Tochter Franziska einmal die Frage stellen wird, warum ihr Vater nicht mehr lebe, darf es nicht heißen: Er ist erstickt, aber er ist selbst schuld daran. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 3. 5. 2001)

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