Die "30 schlimmsten Feinde der Pressefreiheit"

5. Mai 2001, 19:41
1 Posting

"Reporter ohne Grenzen" veröffentlichte eine Liste

In weltweit 28 Staaten ist nach Angaben der Organisation "Reporter ohne Grenzen" die Pressefreiheit stark bedroht. In weiteren 65 Staaten sei die Lage für die Presse Besorgnis erregend, wie aus dem am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Jahresbericht 2000 der Organisation hervorgeht. Anlässlich des elften Internationalen Tages der Pressefreiheit am 3. Mai gab Reporter ohne Grenzen ferner bekannt, dass im vergangenen Jahr weltweit 32 Journalisten bei der Ausübung ihrer Arbeit oder wegen ihrer Veröffentlichungen getötet wurden. Vier weitere wurden den Angaben zufolge seit Jahresbeginn getötet.

Die Zahl der Todesopfer unter den Medienvertretern im vergangenen Jahr liegt zwar unter der von 1999 (36), aber weit über der von 1998 (19). Am 1. April dieses Jahres befanden sich nach Angaben der Organisation weltweit 74 Journalisten in Haft - nach Angaben des Verbandes eine der seit Jahren niedrigsten Zahlen.

Gefährliche Länder

Russland und die Ukraine gelten derzeit als die für Medienvertreter gefährlichsten Länder; dort wurden im vergangenen Jahr jeweils vier Journalisten getötet. In Birma sind zur Zeit die meisten Journalisten (13) inhaftiert, danach folgen China (12), Iran (10) und Äthiopien (7). Zusammen genommen werden in diesen vier Ländern mehr als die Hälfte aller weltweit inhaftierten Journalisten festgehalten. Gut ein Drittel der Weltbevölkerung lebe in Staaten, in denen von Pressefreiheit nicht die Rede sein könne, teilte Reporter ohne Grenzen weiter mit.

"Feinde der Pressefreiheit"

Die Organisation veröffentlichte zudem eine Liste der "30 schlimmsten Feinde der Pressefreiheit". Die Liste wird von Ali Khamenei (Iran), Jiang Zemin (China) und Than Shwe (Birma) angeführt. Es folgen Alexander Lukaschenko (Weißrussland), Joseph Kabila (Demokratische Republik Kongo), Fidel Castro (Kuba), Wladimir Putin (Russland), die "tschetschenische Entführer-Mafia", Robert Mugabe (Simbabwe), die baskische Untergrundorganisation ETA (Spanien), Sine el Abidine ben Ali (Tunesien) und Leonid Kutschma (Ukraine).

Im Interesse von ...

Um als Teil der internationalen Völkergemeinschaft anerkannt zu werden, hätten fast alle Staaten das Recht auf Meinungs- und Informationsfreiheit in der Verfassung oder in ihrer Gesetzgebung verankert, betonten Reporter ohne Grenzen. Doch oft sei dies nur Makulatur. Regierungen ordneten dieses Recht einer Berichterstattung "im Dienst nationaler Interessen" (Putin), "im Dienst des Volkes" (Chinas Kommunistische Partei), oder "im Einklang mit den Zielen der sozialistischen Gesellschaft" (Fidel Castro) unter, heißt es in dem Bericht. Journalisten würden dafür bestraft, wenn sie Recherchen zu Korruption oder Veruntreuung von Geldern veröffentlichten, die die Machthaber verschweigen wollten.

Insgesamt sind mehr als 1.000 Journalisten in den vergangenen zehn Jahren bei der Ausübung ihres Berufes ums Leben gekommen. Darauf wies die Internationale Journalisten-Föderation (IFJ) am Mittwoch hin. Beweise für Gewalt gegen Journalisten kämen oftmals erst Jahre nach der Tat ans Tageslicht. Die Organisation forderte Regierungen deshalb auf, härter gegen Gewalt gegen Journalisten vorzugehen. Eine Gefahr für die Pressefreiheit stellten zudem auch Zensur und die zunehmende Konzentration in der Medienbranche dar, hieß es in einer Erklärung der IFJ in Brüssel. (APA)

Share if you care.