Autonomiebehörde protestiert scharf gegen israelischen Angriff

2. Mai 2001, 20:05
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Peres hofft auf baldigen Beginn von Verhandlungen

Gaza/Washington - Die palästinensische Autonomiebehörde hat scharf gegen den neuerlichen Panzerangriff Israels auf den Gazastreifen protestiert. Der Angriff, bei dem ein Palästinenser getötet und zwölf weitere zum Teil schwer verletzt wurden, bedrohe die Sicherheit und Stabilität der gesamten Region, erklärte die Autonomiebehörde am Mittwoch in Gaza. "Die Sicherheit Israels darf nicht auf Kosten der palästinensischen Sicherheit gehen", hieß es in dem Schreiben weiter.

Bei dem zweiten Angriff auf autonomes palästinensisches Gebiet innerhalb von zwei Wochen walzte die israelische Armee Teile eines Flüchtlingslagers in Rafah nieder. Augenzeugen zufolge drang die Armee mit Panzern und Planierraupen rund hundert Meter weit in das Lager Brasil bei Rafah an der israelisch-ägyptischen Grenze ein. Kurz vor Beratungen mit der US-Regierung über die jüngste ägyptisch-jordanische Vermittlungsinitiative äußerte Israels Außenminister Shimon Peres in Washington die Hoffnung auf eine baldige Wiederaufnahme von Friedensverhandlungen.

Dem Erdboden gleich

Nach Angaben des Krankenhauses wurden die elf Zivilisten durch Splitter von Panzergeschossen verletzt. Die Armee habe in dem Lager mehrere Häuser abgerissen und Gehöfte dem Erdboden gleich gemacht, berichteten Augenzeugen. Die israelische Armee teilte mit, Soldaten hätten Gebäude zerstört, die palästinensischen Heckenschützen bei ihren Angriffen auf Soldaten als Schutz dienten. Die Aktion habe auf Gebiet stattgefunden, das der Kontrolle Israels unterstehe, hieß es.

Der Gaza-Streifen gehört zum autonomen palästinensischen Gebiet, aus dem sich Israel teilweise in Folge der Friedensverhandlungen seit 1993 zurückgezogen hat. Ein Sprecher der palästinensische Autonomie-Behörde bekräftigte die Forderung nach einer internationalen Schutztruppe für die Palästinensergebiete und rief die internationale Staatengemeinschaft auf, Druck auf Israel auszuüben, damit die Armee ihre Angriffe einstelle.

Panik bei Palästinensern

Eine bewaffnete Palästinensergruppe teilte mit, Dutzende Kämpfer lieferten sich bei dem Lager mit Granaten und automatischen Gewehren ein Gefecht mit den israelischen Soldaten. Augenzeugen berichteten, Dutzende Palästinenser seien in Panik aus ihren Häusern gerannt und versuchten, Deckung vor der Schießerei zu finden.

Peres sagte in Washington, er rechne mit einem teilweisen und vorläufigen Rückzug Israels aus den palästinensischen Gebieten und einem baldigen Beginn der Verhandlungen über eine endgültige Regelung für das Westjordanland und den Gaza-Streifen. Israels Regierung hat an der ägyptisch-jordanischen Initiative kritisiert, dass sie einen Stopp des jüdischen Siedlungsbaus in den Palästinenser-Gebieten fordert sowie Verhandlungen auf der Basis der unter der Vorgänger-Regierung ausgehandelten Kompromisse.(APA/Reuters)

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