Die Party ist aus - Knausrige Millionäre in Silicon Valley

2. Mai 2001, 19:35
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Die Spendierfreudigkeit leidet unter der Dotcom-Krise

Der Schwarz-Weiß-Wohltätigkeitsball in Palo Alto im vergangenen Jahr war ein mäßiger Erfolg - zumindestens für den Veranstalter. Die Palo Alto Recreation Foundation, die das Fest in den vergangenen 14 Jahren veranstaltete, nahm 176.000 Dollar (2,718 Mio. Schilling/200.000 Euro) ein. Gerade genug, um die Kosten zu decken. Dieses Jahr fällt der Ball ganz aus. Die Veranstalter fürchten mangelndes Interesse, nachdem bereits die Konkurrenz, der Silicon Valley Charity Ball, Mühe hatte, versprochene 1,5 Millionen Dollar für wohltätige Zwecke aufzubringen.

Rückkegr der Knausrigkeit

In Silicon Valley, das über die höchste Dichte an Millionären verfügt, kehrte die Knausrigkeit zurück. Zum einen versetzte die Krise der New Economy, die Werte in Milliardenhöhe vernichtete, der Spendierfreude einen deftigen Dämpfer. Zum anderen sahen Stiftungen, die selbst kräftig in den Aktienmarkt investierten, ihr Vermögen schrumpfen. "Um unseren Gewinn zu maximieren, haben auch wir natürlich in Intel oder Cisco investiert", meint Steve Kirsch, der 1999 zu den spendenfreudigsten Unternehmern in den USA gehörte. "Dann schrumpften die Kurse und so unser Vermögen."

Die Kirsch-Stiftung, die in den Umweltschutz, die Krebsforschung und das Erziehungswesen investiert und zehn Prozent für wohltätige Zwecke abzweigt, verlor in den vergangenen Monaten rund die Hälfte ihres Wertes und ist gerade noch 41 Millionen Dollar wert.

Kirsch ist nicht allein. Softwareunternehmer Michael Saylor wollte 100 Millionen Dollar in eine Onlineuniversität stecken, an denen so illustre Persönlichkeiten wie der ehemalige US-Präsident Bill Clinton und Finanzier Warren Buffet lehren sollten.

Die Party ist aus

Der Traum platzte mit der Krise und dem freien Fall der Aktienkurse. Heute gibt weder eine Universität noch eine Stiftung. Weise war, wer wie Magda Escobar von Plugged In, einem Computer-Lernzentrum in East Palo Alto, die gespendeten Aktien sofort versilberte. "Wir haben immer gleich die Aktien verkauft."

Hart getroffen sind auch die Familienstiftungen wie die David and Lucile Packard Foundation, die einen Teil des Stiftungsvermögens in Hewlett-Packard-Aktien anlegen musste. Der Stiftungswert sank von 13 Milliarden Dollar im April 2000 auf rund 8,5 Milliarden. Auch bitten die Donatoren um mehr Zeit, die zugesagten Gelder aufzubringen, wie die Eliteuniversität Stanford ebenso erfahren musste wie die Cheetah Conservation Group, der zum Schutz von Affen in Namibia plötzlich eine Million Dollar fehlen. "Die Party kam zu einem abrupten Ende", meint Direktor Charles Knowles.

Letzte Hoffnung

Dennoch: Beeindruckende Spenden gibt es weiterhin. So versprach Lorry Lokey, der Gründer von Business Wire, der Santa-Clara-Universität gerade großzügig 20 Millionen Dollar. Im Februar schenkte der Mitbegründer von eBay, Jeff Skoll, der Community Foundation Silicon Valley 9,8 Millionen Dollar. Letztere sah im ersten Quartal ihre Spendeneinnahmen um sieben Millionen Dollar gegenüber dem Vorjahr fallen.

Und manchmal kämpfen die Gemeinnützigen sogar um das Geld, wie das Museum of Contemporary Art in Chicago, das die Familie eines verstorbenen Spenders verklagte, der fünf Millionen Dollar zugesagt hatte. Zwei Gemälde ersetzten schließlich die Geldspende. (STANDARD-Mitarbeiterin Rita Neubauer aus Palo Alto)

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