"Stern" gewinnt Prozess um Buch über Stasi und Westmedien

3. Mai 2001, 10:28
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Kein Einfluss der DDR auf "Stern"-Artikel aus dem Jahr 1967

Der Autor Hubertus Knabe darf nicht mehr behaupten, dass die DDR 1967 bei einem "Stern"-Artikel über den Verleger Axel Springer ihre Finger im Spiel hatte. Dies entschied das Landgericht Hamburg im Streit um das Buch Knabes über die Stasi und deren Einfluss auf die Westmedien. Damit waren der Verlag Gruner + Jahr und der frühere "Stern"-Mitarbeiter und jetzige Herausgeber der "Woche", Manfred Bissinger, in ihrem Antrag auf eine Einstweilige Verfügung erfolgreich. "Das ist ein großer Erfolg für den "Stern"", sagte der Gruner + Jahr-Anwalt Helmuth Jipp nach der Entscheidung.

"Propagandistisch aufbereitete Materialien"

Die Knabe-Äußerung, der "Stern" habe "propagandistisch aufbereitete Materialien" aus der DDR gegen den früheren deutschen Bundespräsidenten Heinrich Lübke verwendet, ist als Meinungsäußerung dagegen weiter zulässig. Hier scheiterte der Verlag mit seinem Antrag auf eine Einstweilige Verfügung. 1966 hatte der damalige SED-Propagandachef Albert Norden Lübke als "KZ-Baumeister" bezeichnet und Baupläne mit der Unterschrift des CDU-Politikers vorgelegt. Der "Stern" hatte die belastenden Dokumente veröffentlicht. Laut Gericht muss der Begriff "aufbereitet" nicht bedeuten, dass das Material verändert wurde. Schon die Auswahl bestimmter Materialien könne eine Form der Aufarbeitung sein.

Revision angekündigt

Jipp betonte in diesem Zusammenhang, das das Gericht ausdrücklich die Echtheit der so genannten Lübke-Dokumente bestätigt habe. Die umstrittene Knabe-Äußerung sei in einen Zeitungsartikel unter der Überschrift "Hetzer, Fälscher, Meinungsmacher" gefallen. Die Einstufung der "bösen Bemerkung" als zulässige Meinungsäußerung ist nach Ansicht des Anwaltes "sehr problematisch". Gegen diese Entscheidung der Zivilkammer des Hamburger Landgerichts kündigte Jipp bereits eine Revision von Gruner + Jahr vor dem Oberlandesgericht an.

"Einschüchterungsversuch"

Knabe sieht in dem Gerichtsverfahren einen "Einschüchterungsversuch" gegenüber seinen Bemühungen, "ein hässliches Kapitel des westdeutschen Journalismus historisch aufzuarbeiten". Der Historiker, der bis Ende März Mitarbeiter der Stasi-Behörde war, ist zuversichtlich, dass sein Buch "Der diskrete Charme der DDR -Stasi und Westmedien" wie geplant noch in diesem Monat im Münchner Propyläen-Verlag erscheinen kann. (APA)

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