Athen droht mit Blockade der EU-Erweiterung

2. Mai 2001, 17:04
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Griechisches Veto im Fall einer Zurücksetzung Zyperns

Athen - Griechenland hat gedroht, die geplante Erweiterung der Europäischen Union zu blockieren, sollte Zypern nicht bei der nächsten Beitrittsrunde aufgenommen werden. Die Regierung in Athen sei entschlossen, die EU-Erweiterung mit ihrem Veto zu Fall zu bringen, sollte der Republik Zypern wegen des ungelösten Volksgruppenkonflikts auf der Insel die Aufnahme verwehrt werden. Das erklärte am Mittwoch der griechische Staatspräsident Costis Stephanopoulos nach einem Treffen mit dem zypriotischen Präsidenten Glafcos Clerides in Athen.

Stephanopoulos erklärte, er werde auch gegenüber dem Papst die Zypern-Frage ansprechen. Clerides traf auch mit Ministerpräsident Costas Simitis, und Verteidigungsminister Akis Tsohatzopoulos zusammen.

Zypern, dessen nördlicher Teil seit 1974 von der Türkei besetzt ist, gehört zusammen mit Polen, Tschechien, Estland, Slowenien und Ungarn zu der ersten Gruppe der EU-Beitrittskandidaten. Die EU und die Republik Zypern haben bereits den größten Teil der Kapitel für die Anpassung an die EU-Gegebenheiten abgeschlossen.

Türkische Invasion

Seit ihrer Militärintervention hat die Türkei im besetzten Nordteil der Insel - der international nicht anerkannten "Türkischen Republik Nordzypern" unter Volksgruppen führer Rauf Denktas - 40.000 Soldaten stationiert und 100.000 Festland-Türken angesiedelt. 200.000 griechische Zyprioten wurden nach der türkischen Invasion aus dem Norden vertrieben. Die einschlägigen Resolutionen des UNO-Sicherheitsrats fordern die Wiedervereinigung der Insel in Form eines "bikommunalen und bizonalen Bundesstaates" und den Rückzug der türkischen Truppen.

Der EU-Beschluss, Beitrittsverhandlungen mit der Republik Zypern notfalls auch ohne Beteiligung der türkischen Zyprioten aufzunehmen, hatte eine Verhärtung der Fronten bewirkt. Für den Fall, dass Zypern EU-Mitglied wird, hatte die Türkei sogar mit dem Anschluss des Nordteils der Insel gedroht. Die Türkei hat sich auch empört über die Erwähnung der Zypern-Frage im Katalog der EU-Beitrittsbedingungen für Ankara gezeigt; der Passus habe für sein Land "keine Gültigkeit", sagte der türkische Außenminister Ismail Cem. Die Türkei werde keinerlei Verbindung zwischen ihrem angestrebten EU-Beitritt und der von der Europäischen Union unterstützten UNO-Friedensregelung für Zypern akzeptieren. (APA/dpa)

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