Frankreich: Giftgaslager durch starken Regen freigelegt

2. Mai 2001, 17:05
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2.000 der Gasflaschen zwaren nur mit Erde zugeschüttet

Nancy - Rund 2000 Flaschen mit vermutlich deutschem Senfgas aus dem Ersten Weltkrieg bereiten den Einwohnern eines Dorfes in Lothringen Sorgen. Wie ein Sprecher der Gemeinde Mars-la-Tour bei Nancy am Mittwoch auf Anfrage erläuterte, lagert das Giftgas auf einem rund 55 Hektar großen ehemaligen Militärgelände unter einer Schicht Erde. Sie sei durch die starken Regenfälle der letzten Wochen teilweise weggeschwemmt worden, so dass die Behälter nun "fast unter offenem Himmel" lagerten, hieß es.

Die Gasflaschen waren vor zwei Jahren während einer Militäroperation auf dem Gelände zufällig entdeckt worden. Ein Teil wurde in ein Speziallager der französischen Armee im lothringischen Woippy gebracht. Weil dort der Platz knapp ist, wurden aber rund 2.000 der Gasflaschen auf dem Gelände gelassen oder zur Absicherung lediglich mit Erde zugeschüttet. Die Bürgermeisterin des knapp 900 Einwohner zählenden Ortes, Francoise Jacques, fordert bereits seit zwei Jahren, dass die gefährlichen Weltkriegs-Überbleibsel entfernt werden. Bisher seien ihre Appelle an das Pariser Verteidigungsministerium, die zuständige Präfektur und andere Behörden aber auf taube Ohren gestoßen, hieß es. Durch den Einsatz von Senfgas waren im Ersten Weltkrieg bis zu eine Million Menschen geschädigt worden.

Erst vor zwei Wochen hatte ein Lager aus völlig verrotteten Giftgas-Granaten in der Ortschaft Vimy in Nordfrankreich für Aufregung gesorgt. Dort mussten 13.000 Bewohner evakuiert werden, während ein Großaufgebot an Minensuchern die chemischen Waffen entfernte. Wegen der späten Reaktion waren die französischen Behörden heftig kritisiert worden. (APA)

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