Martin McGuinness hatte führende Rolle in der IRA

3. Mai 2001, 10:06
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Nordirlands Bildungsminister: Organisation unschuldig am "Bloody Sunday"

Belfast - Der nordirische Bildungsminister Martin McGuinness hat seine frühere Führungsrolle in der irisch-republikanischen Untergrundorganisation IRA zugegeben. Zur Zeit des "Bloody Sunday" ("Blutsonntag") vor gut 29 Jahren sei er der zweitwichtigste IRA-Kommandant in der nordirischen Stadt Derry gewesen, sagte er. Am "Blutsonntag" von 1972 erschossen britische Soldaten 14 katholische Demonstranten. McGuinness stritt jedoch ab, dass die IRA die Soldaten mit Schüssen zu ihrer blutigen Reaktion provoziert habe.

McGuinness sagte weiter, er habe die im März vergangenen Jahres gegründete Untersuchungskommission zum "Blutsonntag" über seine Rolle als IRA-"Adjutant" im mehrheitlich von Katholiken bewohnten Derry informiert. Zur fraglichen Zeit war er 22 Jahre alt. McGuinness ist der erste ehemalige IRA-Führer, der sich öffentlich zu seiner Mitgliedschaft in der Untergrundorganisation bekennt.

IRA "unschuldig" am "Blutsonntag"

Nach McGuinness' Worten waren zur Zeit des "Blutsonntag" keine IRA-Einheiten in Derry. Die IRA habe auch keine Waffen in der Stadt gehabt. Der 30. Jänner 1972 gilt als Schlüsseldatum in der nordirischen Geschichte: Er bewirkte eine Eskalation des Konflikts zwischen Katholiken und Protestanten und führte zur Auflösung des Regionalparlaments. Großbritannien warf der nordirischen Regierung vor, die Lage nicht mehr im Griff zu haben und unterstellte die Provinz der direkten Verwaltung Londons.

Eine erste Untersuchung der Vorfälle von 1972 sprach die Armee von jeder Verantwortung frei; in der Folge des Karfreitagsabkommens von 1998 setzte die britische Regierung unter dem Druck pro-irischer Nationalisten jedoch eine neue Kommission ein. McGuinness soll in Kürze vor dem Tribunal aussagen.

Die Rolle McGuinness' - heute ein führender Vertreter der IRA-nahen Partei Sinn Fein - ist seit längerem umstritten. Führende Protestanten werfen ihm vor, die Verwicklung der IRA in die Geschehnisse von 1972 verschleiern zu wollen. Anfang des Jahres stand er nach Berichten des britischen Geheimdienstes sogar selbst in Verdacht, an jenem Tag den ersten Schuss auf britische Soldaten gefeuert zu haben. Der protestantische Hardliner Ian Paisley forderte bereits McGuinness' Festnahme.

Der 50-jährige Sinn Fein-Politiker gilt neben Parteichef Gerry Adams als einer der Hauptvermittler des Karfreitagsabkommens zwischen Großbritannien, Nordirland und Irland. In dessen Folge wurde auch die neue nordirische Regierung gegründet, der McGuinness angehört. Die IRA, die die britische Herrschaft über Nordirland ablehnt, hält seit 1997 ein Waffenstillstandsabkommen ein. (APA)

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