Reporter der "Süddeutschen" erhält Sonderpreis für Berichte über CDU-Spendenskandal

2. Mai 2001, 14:59
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"Wächterpreis der Tagespresse" verliehen

Für ihre Recherchen in politischen Affären und einem Fall von Wirtschaftskriminalität haben am Mittwoch vier Journalisten der "Stuttgarter Zeitung", der "Frankfurter Rundschau", der "Berliner Morgenpost" und der "Süddeutschen Zeitung" den deutschen "Wächterpreis der Tagespresse" erhalten. Der Jury-Vorsitzende der Stiftung "Freiheit der Presse", der Politologe Kurt Sontheimer, überreichte die mit insgesamt 45.000 Mark (23.008 Euro/316.599 S) dotierten Auszeichnungen im Frankfurter Rathaus Römer.

CDU-Spendenskandal

Erstmals in der mehr als 30-jährigen Geschichte des Preises wurde in diesem Jahr ein undotierter Sonderpreis vergeben. Er ging an Hans Leyendecker ("Süddeutsche Zeitung") für dessen Berichte über den CDU-Spendenskandal. Leyendecker sei "der deutsche Journalist, der die größten Verdienste an der publizistischen Aufdeckung" der Affäre habe, sagte Sontheimer. Leyendecker habe am hartnäckigsten recherchiert und sei der am besten informierte Journalist gewesen.

FlowTex-Affäre

Träger des mit 20.000 Mark dotierten ersten Preises ist Meinrad Heck, der in der "Stuttgarter Zeitung" über die so genannte FlowTex-Affäre um betrügerische Firmen-Geschäfte berichtet hatte. Sontheimer hob Hecks ausführliche, genaue Darstellung der Wirtschaftsverbrechen hervor, bei denen sich Firmenchefs "schamlos bereichert" und dabei Milliardenverluste auf ihrem Unternehmen angehäuft hätten.

Falsche Darstellung einer NATO-Bombardierung

Den zweiten Preis (15.000 Mark) erhielt Arnd Festerling, stellvertretender Nachrichtenchef der "Frankfurter Rundschau". Er hatte die falsche Darstellung einer Brückenbombardierung der NATO im Kosovo-Krieg aufgedeckt, bei der 14 Menschen getötet worden waren. Auf Grund von Festerlings Berichten habe die Frage der Verantwortung für den Angriff neu gestellt werden müssen, sagte Sontheimer.

"Öffentliche Hinrichtung" Pofallas

Der dritte Preis (10.000 Mark) ging an Christoph Irion für seine Berichte in der "Berliner Morgenpost" über die unrechtmäßige Verfolgung des Bundestagsabgeordneten Ronald Pofalla durch die nordrhein-westfälische Justiz. Irion hatte unter der Überschrift "Öffentliche Hinrichtung aus Versehen" geschildert, wie die Wohnung des niederrheinischen Abgeordneten kurz vor der Landtagswahl wegen eines Verdachts auf Steuerhinterziehung durchsucht wurde. Das Vorgehen der Behörden erwies sich als rechtsstaatlich unhaltbar. Pofalla wurde rehabilitiert.

Alle Journalisten hätten sich um die Demokratie verdient gemacht und damit die Kriterien für den "Wächterpreis" erfüllt, sagte Sontheimer. Die Stiftung "Freiheit der Presse" (Frankfurt) vergibt die angesehene Auszeichnung seit 1968 alljährlich für Beiträge in der Tagespresse, die eine besondere gesellschaftliche "Wächterfunktion" erfüllen, indem sie Affären aufdecken, auf falsche Berichterstattung oder auf Missstände hinweisen.

Unter Sontheimers Vorsitz gehören der Jury zur Zeit folgende Mitglieder an: der Verleger des "Nordbayerischen Kuriers" in Bayreuth, Laurent Fischer, der Chefredakteur des "Darmstädter Echos", Roland Hof, der Herausgeber des Berliner "Tagesspiegels", Hermann Rudolph, und der frühere Chefredakteur der "Frankfurter Rundschau", Roderich Reifenrath. (APA/dpa)

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