Berlin:Schröder bezieht neuen Regierungssitz

2. Mai 2001, 14:58
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"Von hier aus wird nicht geherrscht"

Berlin - Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder hat den neue Regierungssitz in Berlin übernommen. Schröder betonte bei der Eröffnung am Mittwoch: "Von hier aus wird nicht geherrscht, von hier aus wird regiert." Der Neubau in unmittelbarer Nähe des Reichtstags kostete 465 Millionen Mark (238 Mill. Euro/3,27 Mrd. S) und ist wegen des enormen Betrags und der Gestaltung nicht unumstritten.

Bei der Schlüsselübergabe ging Schröder auf die Kritik ein, die sich vor allem an dessen riesigen Dimensionen mit neun Stockwerken und zahlreichen Flügelbauten und Foyers entzündet hatte. Er sprach von einem "prächtigen, beeindruckenden Bau", auch wenn dieser "vielleicht ein bisschen zu groß" geraten sei. Der Architekt des Bauwerks, Axel Schultes, lobte "die Leichtigkeit der großem Massen im Licht". Er wies darauf hin, dass zur Beurteilung des Bundeskanzleramtes erst die Fertigstellung aller Bauwerke im Regierungsviertel Berlins gewartet werden müsse.

Mit der Eröffnung des Kanzleramtes erklärte Schröder den Umzug der Regierung nach Berlin offiziell für abgeschlossen. Dem Kanzler und seinen 510 Mitarbeitern stehen in dem Neubau 370 Büros zur Verfügung. Die Nutzfläche beträgt rund 19.000 Quadratmeter. Die Bürotrakte des 341 Meter langen Baus haben fünf Stockwerke, der 36 Meter hohe Leitungsbau ist neungeschossig. Im siebenten Stock dieses würfelförmigen Gebäudes befindet sich auch das 143 Quadratmeter große Arbeitszimmer des Kanzlers.

"Welches Urteil sich die Menschen von dem Kanzleramt bilden werden, wird von der Arbeit der Regierung abhängen", sagte Schröder. Die deutsche Demokratie manifestiere sich, wenn das überhaupt an Gebäuden festzumachen sei, im gegenüberliegenden Reichtagsgebäude. Das Bundeskanzleramt sei "kein pathetischer Ort" und kein Symbol für die deutsche Politik, betonte Schröder.

"Unser Selbstbewusstsein als erwachsene Nation, die nicht über, aber auch nicht unter anderen Völkern stehen möchte, müssen wir nicht in Stein meißeln." Am Ende würden die Regierenden und die Regierten darüber entscheiden, "was dieser Bau ist und wie er wahrgenommen wird." Als ersten Gast empfing Schröder in dem neuen Domizil den ehemaligen französischen Staatspräsidenten Valery Giscard d'Estaing. (APA/dpa)

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