CDU-Spendenaffäre: Neue Vorwürfe gegen Ex-Kanzler Kohl

2. Mai 2001, 14:35
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"Es gibt Vermutungen, wo das Geld herkommen könnte" so ein Mitglied des Untersuchungsausschusses

Hamburg - Der SPD-Obmann im deutschen Untersuchungsausschuss zur CDU-Parteispendenaffäre, Frank Hofmann, hat schwere Vorwürfe gegen Altbundeskanzler Helmut Kohl erhoben. Das Ehrenwort Kohls, die anonymen Spender von sechs Millionen Mark (3,07 Mill. Euro/42,2 Mill. S) nicht zu nennen, sei vermutlich ein Trick zur Verdunklung von Straftaten gewesen, sagte Hofmann der "Berliner Morgenpost". Unterdessen riss die Kritik an CDU-Chefin Angela Merkel wegen mangelndem Krisenmanagements nicht ab.

Hofmann sagte, Kohl wolle offenbar Nachforschungen über Geldgeber und Gegenleistungen der früheren Regierung verhindern. "Es sieht so aus, als ob das Geld nur aus einer oder zwei Quellen stammt", wird der SPD-Obmann zitiert. Auch das Mitglied der Grünen im Untersuchungsausschuss, Hans-Christian Ströbele, bezeichnete Kohls Version als unglaubwürdig. "Es gibt Vermutungen, wo das Geld herkommen könnte", sagte er dem Blatt, ohne konkreter zu werden.

"So habe ich mir einen Neuanfang nicht vorgestellt"

Merkel stand wegen ihres Verhaltens im Zusammenhang mit der Überweisung von einer Million Mark des ehemaligen CDU-Schatzmeisters Walther Leisler Kiep an die CDU weiter in der Kritik. "So habe ich mir einen Neuanfang nicht vorgestellt", sagte der Führer der Gruppe von 1994 erstmals in den Bundestag gewählten Abgeordneten, Wilhelm-Josef Sebastian, der "Bild"-Zeitung.

Die CDU-Abgeordnete Erika Steinbach sagte dem Blatt, sie halte nicht Merkel, sondern den bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber für den geeigneteren Kanzlerkandidaten. Zudem berichtet die Zeitung unter Berufung auf Vertraute Stoibers, dass auch innerhalb der CSU der Unmut über Merkels Vorgehen wachse. (APA)

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    Protestaktion zur Spendenaffäre

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