Knesset will Wagner-Konzert untersagen

2. Mai 2001, 14:07
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"Die Taten und Worte von Judenhassern wie Wagner" nicht vergessen

Jerusalem - Das israelische Parlament hat gefordert, die umstrittene Aufführung von Richard Wagners "Walküre" im Juli in Jerusalem abzusagen. 17 Parlamentarier stimmten während einer Sondersitzung, an der praktisch nur Wagner-Gegner teilnahmen, geschlossen für den Antrag.

Bereits Ende April hatte das Simon-Wiesenthal-Zentrum in Jerusalem eine einstweilige Verfügung gegen die geplante konzertante Aufführung des ersten Akts der Walküre mit der Berliner Staatskapelle unter Daniel Barenboim beantragt, die während des alljährlichen Israel- Festivals aufgeführt werden soll. Auch Israels Präsident Moshe Katzav hat sich gegen die Aufführung ausgesprochen.

Der Vorsitzende der Koalitionsfraktionen in der Knesset, Zeev Boim, warf den Organisatoren vor, unsensibel gegenüber den Gefühlen von Holocaust-Überlebenden zu sein, die sich an erster Stelle gegen die Aufführungen von Wagner-Werken aussprechen. Shaul Yahalom von der Nationalreligiösen Partei verglich die Aufführung von Wagner-Werken mit dem Verleugnen des Holocaust. "Es wäre nun wirklich keine Katastrophe, wenn das jüdische Volk Wagner mehrere Generationen lang nicht aufführte", rief Yahalom vor den Abgeordneten.

"Die Taten und Worte von Judenhassern wie Wagner" nicht vergessen

Im Namen der Regierung forderte auch der Abgeordnete Raanan Cohen von der Arbeiterpartei von den Organisatoren, ihre Entscheidung zu überdenken. Man dürfe "die Taten und Worte von Judenhassern wie Wagner" nicht vergessen.

In den Konzentrationslagern der Nazis bekamen die todgeweihten Häftlinge oft Wagner-Musik zu hören. Aufführungen der Musik Wagners waren daher in Israel Jahrzehnte lang tabu. Inzwischen wird Musik des sächsischen Komponisten jedoch regelmäßig im Rundfunk gespielt. Im Sommer 2000 brachte der israelische Klassik-Sender eine Gesamtaufnahme von Tristan und Isolde, und Ende Oktober spielte das Symphonieorchester der Stadt Rishon-le-Zion Wagners Siegfried-Idyll trotz massiver Proteste von Wagner-Gegnern auf der Bühne. (APA/dpa)

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    Proben von Wagners "Walküre"

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