Mazedonien: Ethnischen Spannungen verschärfen sich weiter

2. Mai 2001, 14:52
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Toter bei Überfall - Albaner-Rebellen für Volkszorn verantwortlich

Skopje/Belgrad - Die antialbanischen Krawalle in der Stadt Bitola haben sich am Mittwoch fortgesetzt und zu Differenzen innerhalb der mazedonischen Koalitionsregierung geführt. Auch in der Hauptstadt Skopje kam es zu Zwischenfällen mit einem Todesopfer; die albanische Botschaft wurde in der Nacht beschossen. Die ethnischen Spannungen haben sich gefährlich verschärft, seitdem bei einem Überfall albanischer UCK-Rebellen am Samstag im Grenzgebiet zum Kosovo acht mazedonische Soldaten und Polizeiangehörige getötet wurden.

Die südmazedonische Stadt Bitola war in der Nacht auf Mittwoch erneut Schauplatz gewaltsamer Ausschreitungen. Mindestens zehn Geschäfte von Albanern seien verwüstet worden, meldete der staatliche Rundfunk. Bereits am Dienstag hatten in Bitola Hunderte aufgebrachter slawischer Mazedonier Geschäfte und Cafes von Albanern in Brand gesteckt.

"Extremisten und Terroristen" haben ihr Ziel erreicht

Die Regierung in Skopje reagierte gespalten auf die Zusammenstöße. Die rechtsnationalistische VMRO-DPMNE ("Innere Mazedonische Revolutionäre Organisation - Demokratische Partei für die Nationale Einheit") von Ministerpräsident Ljubco Georgievski sprach von "unliebsamen Ereignissen". Die "Extremisten und Terroristen" hätten ihr Ziel erreicht und die Bürger zu Exzessen und Taten veranlasst, die zum Bürgerkrieg führen könnten. Der Koalitionspartner, die Demokratenpartei der Albaner (DPA) von Arben Xhaferi, verurteilte die "offensichtlichen Anzeichen einer extremen ethnischen Intoleranz" als alarmierend. Für die DPA erinnerten die Vorfälle in Bitola unweigerlich "an die 'Kristallnacht' des Jahres 1938 in Deutschland, wo in gleicher Weise Häuser von Juden demoliert und niedergebrannt wurden".

Die Gewalt entlud sich, nachdem am Montag in Bitola vier Polizisten aus dieser Stadt zu Grabe getragen wurden. Sie waren am Samstag zusammen mit anderen mazedonischen Polizisten und Militärangehörigen bei Tetovo im Norden in einen Hinterhalt albanischer Rebellen geraten.

Polizeiverstärkung eingetroffen

Bei einem Überfall auf ein albanisches Cafe in der Hauptstadt Skopje am Dienstagabend ist eine Person getötet worden, zwei weitere Personen wurden verwundet, meldete der Belgrader Sender B-92. Die Botschaft Albaniens in Skopje ist in der Nacht beschossen worden. Mehrere Projektile seien in Botschaftsräumen eingeschlagen, sagt eine albanische Diplomatin. Nach dem "sehr ernsten" Zwischenfall sei in der Nacht Polizeiverstärkung eingetroffen.

Das mazedonische Parlament wird am Freitag zu einer Sondersitzung zusammentreten, um über die Sicherheitssituation zu beraten. Der Sprecher der Regierung, Antonio Milosevski, hat auch eine Kabinettsumbildung nicht ausgeschlossen, nachdem Verteidigungsminister Ljuben Paunovski am Montag zurückgetreten war. Die bisherigen Verhandlungen des Ministerpräsidenten Georgievski mit dem Führer des oppositionellen Sozialdemokratischen Bundes, Branko Crvenkovski, über die Bildung einer großen Koalition sind bisher erfolglos verlaufen. Die frühere Regierungspartei beansprucht den Posten des Innenministers für sich.

Regierung ruft zur Zurückhaltung auf

Die Regierung hatte die Bevölkerung am Dienstag zur Zurückhaltung aufgefordert, um "die Arbeit der Terroristen nicht zu erleichtern", die das Land "destabilisieren" wollten. Die Regierung kündigte vorbeugende Sicherheitsmaßnahmen im ganzen Land an. Das mazedonische Staatsfernsehen hat eine albanischsprachige Fernsehnachrichtensendung bis auf weiteres eingestellt. Die Redaktion habe "ethnische Intoleranz" gefördert und "militante albanische Extremisten" angespornt, sagte Fernsehdirektor Ljupce Jakimovski. Am 1. Mai, der in Mazedonien als Staatsfeiertag begangen wird, wurden in westmazedonischen Orten mit mehrheitlich albanischer Bevölkerung keine mazedonischen Nationalflaggen gehisst.

Staatspräsident Boris Trajkovski will bei seinem Staatsbesuch in den USA um "politische, militärische und wirtschaftliche" Unterstützung bitten. Bereits am Sonntag hatte Trajkovski, der am Montag in Washington eintraf, unterstrichen, er wolle mit Hilfe der Vereinigten Staaten den "Terrorismus ausmerzen". (APA/dpa)

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