NTW-Journalist fordert vom Westen Unterstützung

3. Mai 2001, 09:20
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Reporter ohne Grenzen ruft österreichische Medien zu Mitarbeit auf

"Auch die österreichischen Medien müssen mobilisieren und mit Reporter ohne Grenzen zusammenarbeiten", forderte der Generalsekretär der Organisation, Robert Menard, am Sonntag. Bei einer Matinee im Wiener Volkstheater anlässlich des Internationalen Tages der Pressefreiheit. "Der 3. Mai erinnert daran, dass in mehr als der Hälfte aller Länder Pressefreiheit nicht vorhanden ist", sagte Menard. 150 Medien in Europa würden durch ihre Zusammenarbeit mit Reporter ohne Grenzen RSF) verhaftete Journalisten unterstützen.

Menard erinnerte daran, dass laut RSF-Jahresbericht 2000 32 Journalisten ermordet wurden und weitere 100 sich in Haft befanden. 90 Feinde der Medienfreiheit seien namentlich genannt, unter ihnen der russische Präsident Wladimir Putin.

Tradition der "Phobie"

Nach den Worten von Andrej Tscherkisow, Journalist beim Moskauer Fernsehsender NTW, haben die russischen Medien einen Kampf, aber nicht den Krieg gegen den Kreml verloren. "Verlieren können wir nur, wenn ihr uns im Westen im Stich lässt". Putin sei die Personifizierung der alten Tradition der "Phobie" in Russland. Doch die russischen Journalisten würden immer wieder versuchen, mit Aufdeckungen an die Öffentlichkeit zu gehen. Tscherkisow hoffte, dass infolge der Übernahme des Senders durch Kreml-nahe Organe auch bei der russischen Bevölkerung "die Alarmglocken geläutet" hätten.

Die ORF-Korrespondentin in Moskau, Susanne Scholl, schloss sich Tscherkisow an und warnte vor der immer stärkeren Machtexpansion des russischen Geheimdienstes KGB. Sie sah jedoch auch die Gefahren einer falsch verstandenen Pressefreiheit. So würden Aufdeckungsjournalisten Berichte veröffentlichen, ohne Beweise anzuführen. Es werde mit Gerüchten und Diffamierung gearbeitet. Russland sei ein Land ohne Zivilgesellschaft und Bewusstsein für Recht und Unrecht. Man könne sich aber auch nicht erwarten, dass in einem Land, wo die Medien stets nur der Propaganda dienten, in nur zehn Jahren eine neue Journalistengeneration heranwachsen könne. (APA)

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