US-Raketenabwehrsystem im Detail

2. Mai 2001, 12:16
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Bush setzt auf breite Palette von Abwehrsystemen

Washington - Das geplante Raketenabwehrsystem der USA soll nach den Vorstellungen von Präsident George W. Bush aus mehreren Elementen bestehen. Zunächst will Bush auf Systeme zurückgreifen, die bereits relativ weit entwickelt sind wie der Nationale Raketenschild (NMD). Daneben wollen die USA Technologien fördern, mit denen feindliche Raketen schon kurz nach dem Start abgefangen werden können. Im Folgenden ein Überblick über die Systeme, die das Heer, die Marine und die Luftwaffe der USA derzeit entwickeln.

- Das ursprüngliche NMD besteht aus einem Netz von Satelliten und Radaranlagen sowie in Alaska stationierten Abfangraketen. Feindliche Raketen sollen per Satellit geortet, auf dem Radar verfolgt und schließlich von Boden-Luftraketen zerstört werden, die statt mit Sprengköpfen mit Teleskopen mit optischen und Infrarot-Sensoren bestückt sind. Diese so genannten "Kill Vehicles" entfalten beim Aufprall durch Masse und Geschwindigkeit ihre zerstörerische Kraft. Von drei Tests gelang bisher erst einer, der nächste soll frühestens im Juni erfolgen.

- Die zur Truppenverteidigung bestimmte Theater High Altitude Area Defense (THAAD) des Heeres ist unter den auf einen militärischen Schauplatz begrenzten Abwehrsystemen am weitesten ausgereift. Sie besteht aus fahrbaren Raketenbatterien, auf hoher Frequenz arbeitenden Zielradargeräten und einer vernetzbaren Kommandoanlage. Taktische Angriffswaffen sollen in der oberen Erdatmosphäre oder im Weltraum abgefangen werden. Das gesamte System passt in eine Transportmaschine vom Typ C-141. Es wurde zweimal erfolgreich getestet und soll 2007 einsatzbereit sein.

- Das zur Verteidigung eines Militärschauplatzes bestimmte System der Marine (Navy Theater Wide, NTW) soll auf Kriegsschiffen des Typs Aegis stationiert werden. Die Radar- und Kommandoanlagen von Aegis müssten aufgerüstet und die Abfangraketen des Typs Standard mit "Kill Vehicles" bestückt werden. Kreuzen die Schiffe vor der Küste eines feindlichen Landes, könnten sie angreifende Mittelstreckenraketen schon abfangen, bevor diese den Scheitel ihrer Flugbahn erreicht haben. Aus größerer Entfernung könnten sie noch früher zuschlagen. Obwohl das System noch nicht getestet wurde, soll es 2003 einsatzbereit sein.

- Die Anhänger einer seegestützten Raketenabwehr wollen das Aegis-System ausbauen, um Interkontinentalraketen schon in der Aufstiegsphase abzufangen. Skeptiker argumentieren, dies sei Zukunftsmusik. Schiffe haben den Vorteil der Mobilität, sind jedoch vom Wetter auf hoher See abhängig.

- Die Luftwaffe bastelt an einem Laser (ABL), das feindliche Raketen bereits beim Aufstieg zerstören soll, also bevor sich die Sprengköpfe von der Zündstufe lösen. Die Laser würden auf umgebauten Jumbojets montiert, die über verbündetem Territorium patrouillieren sollen. Sobald Sensoren einen Raketenstart melden, würde ein Suchlaser das feindliche Geschoss erfassen, bevor es von einem starken Laserstrahl zerstört wird. Ungelöst dabei sind bisher Zielungenauigkeiten auf Grund der Bewegung des Flugzeugs und atmosphärischer Verzerrungen. Der erste Test ist für 2002 geplant, die Auslieferung der ersten drei Maschinen schon ein Jahr später. (APA)

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