Israelische Armee erneut auf palästinensischem Selbstverwaltungsgebiet

2. Mai 2001, 13:45
posten

Bulldozer zerstörten mehrere Gebäude - Zwei Tote, 13 Menschen verletzt

Gaza/Jerusalem/Washington - Die israelische Armee ist am Mittwoch im Gaza-Streifen erneut in palästinensisches Selbstverwaltungsgebiet vorgedrungen und hat zwei Jugendliche erschossen. Die Soldaten zogen sich erst nach mehreren Stunden zurück, nachdem Bulldozer Gebäude eines palästinensischen Flüchtlingslagers zerstört hatten. Die palästinensische Führung hat israelische Berichte über Geheimverhandlungen mit Israel dementiert und Außenminister Shimon Peres beschuldigt, "Lügen" zu verbreiten.

Zwei Tote, 13 Menschen verletzt

Bei der israelischen Militäroperation gegen das palästinensische Flüchtlingslager El Barasil bei Rafah an der Grenze zu Ägypten wurden ein 17- und ein 13-Jähriger erschossen und mindestens 15 weitere Personen, darunter drei Kinder, verletzt. Nach Augenzeugen drang die Armee in der Nacht mit Panzern und Planierraupen in das Lager ein. Die Soldaten rissen mehrere Häuser ab. "Dies ist ein weiterer brutaler Anschlag der Israelis, die Fortsetzung ihrer Versuche, das Land zu besetzen", sagte der für die öffentliche Sicherheit im Gaza-Streifen zuständige palästinensische Generalmajor Abdelrazek Majaida.

Auf das erstmalige Eindringen israelischer Militäreinheiten in Gebiete der palästinensischen Selbstverwaltung hatte die US-Regierung vor mehreren Tagen scharf reagiert. Die israelischen Truppen waren daraufhin umgehend zurückgezogen worden.

Peres: "Wir können nichts mit Gewalt lösen"

In einer Rede in Washington bezeichnete Peres am Dienstag (Ortszeit) den palästinensischen Präsidenten Yasser Arafat als Friedenspartner. "Wir können nichts mit Gewalt lösen", sagte Peres. "Es sollte keine Kollektivstrafe geben, Zivilisten sollten nicht leiden." Peres habe bei seinem USA-Besuch "Lügen" über eine angebliche geheime Einigung auf eine Waffenruhe verbreitet, um das israelische Image aufzupolieren, sagte der palästinensische Minister für Planung und internationale Zusammenarbeit, Nabil Shaath, am Mittwoch im ägyptischen Rundfunk.

Shaath erklärte, die palästinensische Führung setze ihre Hoffnungen immer noch auf den ägyptisch-jordanischen Friedensplan. Dieser werde auch von der Europäischen Union unterstützt. "In den nächsten Tagen werden wir erleben, dass die EU in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle spielt", sagte der Minister. Israel lehnt mehrere Punkte des Plans ab, darunter die Forderung nach einem Stopp des Ausbaus jüdischer Siedlungen in den besetzten Gebieten.

Voreilige Ankündigung der Waffenruhe

Die ägyptisch-jordanische Initiative hatte durch die voreilige Ankündigung einer Waffenruhe zwischen Israelis und Palästinensern einen Rückschlag erlitten. Der ägyptische Präsident Hosni Mubarak hat Peres beschuldigt, ihn in Kairo bewusst falsch informiert zu haben. Mubarak hatte am Montag im ägyptischen Fernsehen erklärt, Peres habe ihm ausdrücklich gesagt, die israelische Regierung hätte sich in Gesprächen mit zwei Vertrauten des palästinensischen Präsidenten Yasser Arafat grundsätzlich auf eine Waffenruhe geeinigt. "Später habe ich dann mit Arafat telefoniert, und der sagte mir, dass überhaupt nichts in dieser Art geschehen sei", sagte Mubarak, der Israel ein "falsches Spiel" vorwarf. Peres führte nach einer Unterredung mit UNO-Generalsekretär Kofi Annan in New York das Zerwürfnis auf einen "Übersetzungsfehler" zurück.

Peres hatte sich in New York dafür ausgesprochen, die Verhandlungen mit den Palästinensern künftig direkt und ohne internationale Vermittlung zu führen. Israel wünsche sich keine "Führungsrolle" der USA mehr bei den Friedensbemühungen, sagte Peres nach seiner Unterredung mit Annan. Die israelische Absage an eine Führungsrolle der US-Diplomatie in Nahost kommt zu einem Zeitpunkt, da Washington im Gegensatz zu den ursprünglich angekündigten Intentionen von Präsident George W. Bush wieder ein stärkeres Engagement plant, vor allem in dem Bestreben, eine drohende Destabilisierung pro-westlicher arabischer Regierungen abzuwehren. (APA/Reuters/dpa)

Share if you care.