Staberl geht

2. Mai 2001, 11:02
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"Staberl geht", Wolf Martin bleibt. 37 Jahre lang lagerte die geistige Ausdünstung des einen über Österreich. Manche erinnern sich noch an einsame Höchstleistungen wie die Krone-Kolumne, in der er "nachwies", dass die Nazis die sechs Millionen Juden eh nicht vergast hätten. Sie wären nur sonst wie umgekommen - "wie unsere Kriegsgefangenen in russischer Gefangenschaft".

Die Staatsanwaltschaft legte damals die Anzeige zurück. Sie konnte keine gröbliche Verharmlosung der Verbrechen des Nationalsozialismus darin erblicken. Zum Schluss scheint er es doch zu toll getrieben zu haben. Angeblich durfte jetzt eine Kolumne über Jörg Haider und Ariel Muzicant nicht erscheinen, da beschloss er, mit 80 in Pension zu gehen. Doch der andere, die Nachwuchskraft, reimt munter weiter. Alle paar Jahre erscheint am 20. April "Führers Geburtstag", ein Gedichtlein, das mit der Verherrlichung spielt, aber zum Schluss doch den Aussagesinn zurücknimmt.

Dazwischen erscheinen Verse, in denen die Hoffnung ausgedrückt wird, die Inhalte der Aufklärung über den Nationalsozialismus würden aus den Hirnen der Schüler "ausgeschwitzt". Für Kontinuität ist also gesorgt. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.5.2001)

RAU
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