"Die USA müssen wieder ins Boot"

1. Mai 2001, 21:58
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Weltbankexperte Schreiber empfiehlt Österreich zur Erreichung des Kyoto-Ziels Einrichtung eines Fonds

Wien - Die kürzlich erfolgte Aufkündigung des Kyoto-Abkommens zur Senkung des Ausstoßes von Kohlendioxid durch US-Präsident Georg W. Bush hat den Organisatoren des Klimagipfels in Bonn einen schweren Schlag versetzt. Auf der zwischen 16. und 27. Juli angesetzten Konferenz soll die Umsetzung des 1997 in Kioto beschlossenen Protokolls diskutiert werden.

"Es wäre wichtig, die USA in das Boot zu bekommen. Sie stellen nur vier Prozent der Weltbevölkerung, sind aber für rund ein Viertel der klimaschädigenden Kohlendioxidemissionen verantwortlich", so der Osteuropa-Umweltexperte der Weltbank, Helmut Schreiber, zum STANDARD.

Zwar könnte das Kyoto-Protokoll auch ohne die USA in Kraft treten. "Es genügt, wenn 55 Staaten das Papier ratifizieren", sagte Wirtschaftsminister Martin Bartenstein. "Realpolitisch wäre es aber höchst problematisch, wenn der Hauptemittent nicht eingebunden wäre." Bartenstein will sich bei seinem Arbeitsbesuch in Washington bis Freitag dieser Woche bemühen, das Nein der Amerikaner zu Kyoto aufzuweichen.

Bisher haben erst einige Pazifikstaaten und mittelamerikanische Länder wie Mexiko das Protokoll ratifiziert. Dieses sieht eine Reduktion der Treibhausgas-Emissionen bis zum Jahr 2010 um durchschnittlich 5,2 Prozent vor, gemessen am Basisjahr 1990.

Streit zwischen der EU und den USA gab es zuletzt darüber, inwieweit sich Industriestaaten auch Aufforstungsprojekte in der Dritten Welt oder effizienzsteigernde Investitionen in Nachbarländern als Klimaschutzmaßnahmen anrechnen lassen können. Die EU verlangt, dass mindestens 50 Prozent des Schadstoffausstoßes in den Industrieländern selbst reduziert werden. Die USA hingegen wollen sich durch Investitionen in Drittstaaten nach Möglichkeit ganz von ihren Verpflichtungen entbinden. "Wir müssen kompromissbereit sein", sagte Bartenstein.

Weltbank-Experte Schreiber sieht in dem Handel mit Emissionszertifikaten, der im Kyoto-Protokoll vorgesehen ist, eine Möglichkeit, zumindest Teile der vor vier Jahren in Japan vereinbarten Ziele zu erreichen. Österreich schlägt Schreiber die Einrichtung eines Funds für Anstoßfinanzierungen in Nachbarländern vor, wie dies etwa Finnland, Schweden und die Niederlande bereits machen. Österreich hat sich verpflichtet, 13 Prozent der Emissionen zu senken. Noch vor dem Sommer will Umweltminister Wilhelm Molterer mit einem Strategieplan in den Ministerrat.

Schreiber selbst ist für die Weltbank in Zentral- und Osteuropa unterwegs, um Projekte im Energiebereich zu identifizieren, wo durch relativ geringen Mitteleinsatz die Emissionsbelastung gesenkt werden könnte. Die Maßnahmen werden aus dem 1999 eingerichteten und mit 150 Mio. Dollar dotierten Prototype Carbon Fund finanziert.
(DER STANDARD, Printausgabe, 2.5.2001)

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