Kyoto: Mehr Konsequenz, bitte!
(Kommentar von Günther Strobl))

1. Mai 2001, 21:56
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Österreich hat sich in Kyoto ein durchaus ambitioniertes Ziel gesetzt: 13 Prozent weniger Kohlendioxid & Co in der Luft, wenn die Pummerin das Jahr 2010 einläutet. Ursprünglich wollte man den für die Erderwärmung hauptverantwortlichen Klimakillern ausschließlich durch strenge Umweltauflagen und noch strengere Emissionsvorschriften innerhalb von Österreich auf den Leib rücken. Nun gibt es Empfehlungen, mit österreichischen Mitteln auch Projekte in den Nachbarstaaten zu finanzieren. Dort könnte mit ungleich weniger Aufwand ein Vielfaches der in Österreich noch möglichen Schadstoffreduktion erzielt werden. Das ist ein vernünftiger Ansatz. Treibhausgase machen vor Grenzen nicht Halt. So gesehen wäre es verpulvertes Geld, würde Österreichs Industriebetrieben ein dritter, vierter oder gar fünfter Filter zur Reinigung der Abluft aufgenötigt. Die Kraftwerke in Tschechien und der Slowakei würden weiter Dreck in die Luft schleudern, der bei passendem Wind auch auf Österreich niederginge. Da macht es mehr Sinn, Gelder für effizientere Technologien jenseits der Grenze zur Verfügung zu stellen.

Nun gibt es zwar Willensbekundungen, in diese Richtung aktiv zu werden, mehr aber auch nicht. Das erinnert fatal an Österreichs Vorgehen in Sachen Atom. Ob Bohunice, Mochovce oder Temelín: Jedes Mal forderte die Regierung in Wien lautstark die Schließung der Atommeiler. Gelder für einen alternativen Weg der Stromgewinnung wurden Tschechien und der Slowakei weder von Österreich noch von anderen Staaten zur Verfügung gestellt. Die Folgen sind bekannt: Bohunice ist am Netz, Mochovce ist am Netz und der Kraftwerksblock in Temelín auch, wenn nicht grad wieder ein Störfall ist. Dieses Szenario soll sich nicht wiederholen. Mehr Konsequenz ist gefragt. (DER STANDARD, Printausgabe, 2.5.2001)

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