Das Schneckenreservat

1. Mai 2001, 21:46
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In Bad Fischau stehen ein Thermalbad und winzige Schnecken unter Schutz

BBad Fischau - Im südlichen Niederösterreich, in dem kleinen Dorf Bad Fischau, gibt es eine einzigartige Kombination: ein unter Denkmalschutz stehendes Freibad und winzig kleine Badegäste, die unter Naturschutz stehen.

Das 1970 eingerichtete Schneckenreservat umfasst die drei Quellen und den Abfluss des Thermalbades. Denn nicht nur die Badegäste, auch eine weltweit einzigartige zoologische Rarität - Belgrandiella mimula, eine winzige Quellenschnecke - schätzt die Reinheit des Thermalwassers. Die Quellenschnecke lebt gemeinsam mit zwei weiteren unter Naturschutz stehenden Schneckenarten in der konstant 20 Grad warmen, salzarmen Akrotherme, die durch die Wasserbecken des alten Kurbades rinnt, und dann als Warme Fischa" durch das Steinfeld fließt.

Quellenschnecke & Co. Die einzigartige Quellenschnecke ist nur 2-2,5 mm lang, lebt an Steinen in der Quelle und ernährt sich vom Algenrasen. Auch die halbkugelige Thermal-Schwimmschnecke (Theodoxus prevostianius) ist bloß 5 mm lang und 7 mm breit. Aus fossilen Funden ähnlicher Arten kann geschlossen werden, dass sie ein Relikt aus dem Erdzeitalter des Pleistozän ist, in dem es bei uns wärmer als heute war.

Die Thermen-Pechschnecke (Microcolpia daudebartii daudebartii) widerum ist verwandt mit der Spitzen Fluss-Pechschnecke (Microcolpia daudebartii acicularis), von der es noch Restpopulationen in Nebenarmen der Donau im Bereich des Nationalparks Donauauen gibt und die früher auch in der Leitha lebte. Die anders aussehende Variante von Bad Fischau ist wahrscheinlich als Reaktionsform auf die ökologischen Bedingungen in der Thermalquelle entstanden. Außer in Bad Fischau wird die Schnecke nur noch in den Thermalwässern von Bad Vöslau und in Thermen in Ungarn gefunden.

Neben diesen drei Schneckenarten konnten Biologen bei einer Bestandsaufnahme in der Warmen Fischa weitere 21 Wasserschnecken- und 45 verschiedene Landschneckenarten bestimmen. Einige Wasserschneckenarten, wie das Chinesische Posthörnchen, wurden, so Karl Edlinger vom Naturhistorischen Museum Wien, vermutlich durch Aquarienbesitzer eingeschleppt. Doch das Schneckenparadies ist bedroht. So wurde ohne wasserrechtliche Genehmigung die unter strengem Naturschutz stehende Quelle in Beton gefasst.

Doch auch in anderen Abschnitten der Warmen Fischa sieht es bedenklich aus. "Im Bereich des Thermalbadabflusses, der einst als Wäscheschwemme diente, kommen heute nur mehr fünf Prozent der noch vor einigen Jahren anzutreffenden Schnecken vor", meint der Schneckenexperte Peter L. Reischütz. "Es findet ein bedenklicher Rückgang der Artenzahl und -dichte statt. Und die höchst gefährdete Gemeine Flussmuschel, Unio crassus, die noch in den 70er-Jahren in der Warmen Fischa als große Population vorkam, ist schon 1987 auf nur mehr einige Exemplare geschrumpft. Eigentlich müsste seit dem Beitritt zur EU der Bach nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie unter absoluten Schutz gestellt werden - dies ist jedoch bis heute nicht erfolgt." ((DER STANDARD, Print-Ausgabe 2. 5. 2001)

Von STANDARD-Mitarbeiterin Therese Stickler
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