Gegen die "männliche Literatur"

1. Mai 2001, 21:09
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Größte Sammlung von Frauenliteratur auf CD-ROM erschienen

Frankfurt/Main - Louise Otto? Fanny Lewald? Therese Huber? Diese und andere Schriftstellerinnen vergangener Jahrhunderte haben sich gegen männliche Widerstände erfolgreich Gehör verschafft. Heute aber droht ihnen das Vergessen. Verhindern will dies die bisher größte Sammlung deutscher Frauenliteratur, die soeben ausschließlich auf CD-ROM in der Reihe der "Digitalen Bibliothek" erschienen ist.

"Frauen-Zeitung"

Den genannten Autorinnen ist gemeinsam, dass sie ihre Werke zunächst anonym oder unter männlichem Pseudonym veröffentlichen mussten. So gab Louise Otto, Pionierin der frühen Frauenbewegung in Deutschland, Mitte des 19. Jahrhunderts ihre journalistischen Artikel unter dem Namen "Otto Stern" heraus - nur so hatte sie Chancen, ernst genommen zu werden. Ihre 1849 gegründete "Frauen-Zeitung" wurde eineinhalb Jahre später mit der Begründung geschlossen, dass nur Männer die Redaktion einer Zeitung führen dürfen.

Jüngere Schriftstellerinnen sucht man vergeblich

Der Herausgeber der CD-ROM-Edition, Mark Lehmstedt, musste für seine Auswahl der Werke von 62 Schriftstellerinnen vor allem auf Erstdrucke zurückgreifen, die nur noch in Bibliotheken oder Antiquariaten erhältlich sind. Ihre Zeitspanne reicht vom ersten Auftreten "weiblicher Belletristik" etwa um 1620 bis in die Weimarer Republik. Jüngere Schriftstellerinnen wie Anna Seghers sucht man vergeblich - um hohe Lizenzkosten zu vermeiden, wurden nur Autorinnen berücksichtigt, die vor mindestens 70 Jahren gestorben sind und deren Werke deswegen keinem Copyright mehr unterliegen. Ergänzt werden die Werke der Schriftstellerinnen von einem Porträtfoto und einer biografischen Chronik.

"Gedichte und Phantasien"

Die literarischen Motive der auf der CD-ROM berücksichtigten Autorinnen können unterschiedlicher kaum sein. Während die unglückliche Karoline von Günderode ihr Liebesleid in "Gedichte und Phantasien" (1804) goss, schrieben andere bewusst gegen die damals vorherrschende "männliche Literatur" an und engagierten sich wie Otto, Meisel-Hess oder die Pazifistin Bertha von Suttner sozial oder politisch.

Als Ergänzung der in der gleichen CD-ROM-Reihe erschienenen "Deutschen Literatur von Lessing bis Kafka" ist der mehr als 78.000 Seiten umfassenden "Deutschen Literatur von Frauen" zu wünschen, dass nicht nur Germanistikwissenschaftler die Möglichkeiten der Volltextsuche zur Forschung nutzen, sondern auch Leser das eine oder andere Werk neu für sich entdecken. (APA)

"Deutsche Literatur von Frauen", Bd.45 der Digitalen Bibliothek, CD-ROM für Windows, digitale-bibliothek.de
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