Ahnenforschung per Internet

3. Mai 2001, 22:13
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Die Mormonen haben es vorexerziert

Frankfurt/Main - Datenbanken mit Einträgen von mehreren hundert Millionen Personen ermöglichen es, fehlende Glieder in der Reihe der eigenen Vorfahren ausfindig zu machen. Die in Deutschland lange Zeit spürbare Ablehnung privater Ahnenforschung auf Grund der von den Nazis verlangten Ariernachweise scheint überwunden.

Die Alternativen

Wer die Ergebnisse der oft mühsamen Suche sammeln und ansprechend aufbereiten will, hat die Wahl zwischen zwei Computerprogrammen, die kürzlich in neuen Versionen vorgelegt wurden: der "Familienstammbaum 7.5" von Bröderbund Software und "Mein Stammbaum 2" aus der Reihe Sierra Home.

Der "Familienstammbaum" fordert beim ersten Start dazu auf, eine neue Familiendatei anzulegen. Dies beginnt mit der Eingabe des eigenen Namens sowie denen der Eltern und Großeltern. Daraufhin wird eine Maske mit diesen Namen angelegt, die zur Eingabe von Geburtsdaten und Ort auffordert. Im nächsten Schritt folgen die Sterbedaten. Nun wird es spannend: Mit den vorhandenen Daten startet die Software den "FamilyFinder", der in einer Datenbank von mehr als 750 Millionen Namen nach Hinweisen auf weitere Mitglieder der Familie oder die Vorfahren sucht.

Die Suche in den Internet-Datenbanken erwies sich im Test aber als enttäuschend: Es wurden nur vier Übereinstimmungen gefunden, die zudem lediglich mit zwei von fünf möglichen Sternen bewertet wurden - dies bedeutet, dass es sich um "eine mögliche, aber unwahrscheinliche Übereinstimmung" handelt. Auch das auf insgesamt sechs CDs abgelegte Namensarchiv des "FamilyFinders" hilft kaum weiter - es enthält zwar alle Namen, beschränkt sich dabei aber auf allgemeine Angaben zur ungefähren Lebenszeit. Für den detaillierten Eintrag zu der jeweiligen Person muss die entsprechende CD bestellt werden.

Dafür hilft das "Familienstammbuch" dabei, die bereits gesammelten Ahnen bequem und übersichtlich in der Familiendatei einzutragen. Mit Hilfe von Karteireitern am rechten Bildschirmrand kann man zügig durch alle Generationen navigieren. Für die jüngeren Mitglieder der Familiengeschichte können die trockenen Daten mit digitalen Fotos ergänzt werden, so dass hier ein richtiges Familienalbum entsteht. Ebenso ist es möglich, zu jeder Person eine Fülle von Informationen einzutragen, angefangen beim Beruf über die Daten von Kommunion oder Konfirmation bis hin zu Spitznamen oder persönlichen Kommentaren.

Präsentation

Wenn alle Informationen gespeichert sind, lassen sich diese in einer Vielzahl von Darstellungsmöglichkeiten anzeigen: Ahnentafel, Nachkommentafel, Familienblätter, Verwandtschaftslisten oder eine Zeittafel, in der die Lebenszeiten der Personen mit historischen Ereignissen in eine Reihe gestellt werden. Kalender zeigen für das jeweils laufende Jahr die Geburts- und Gedenktage an.

Für den Druck kann auch ein ganzes Buch mit mehreren Darstellungen erstellt werden. Gespeichert werden die Familendaten in einem eigenen Datenbankformat. Eine Umwandlung etwa ins HTML-Format für das Internet ist nicht vorgesehen - im Unterschied zur Konkurrenzsoftware "Mein Stammbuch".

World Name Index mit zehn CDs

Auch beim "Stammbuch" bietet allerdings die beeindruckende Zahl von zehn CDs in vielen Fällen keine echte Hilfe für die Suche nach den Vorfahren. Der "World Name Index" beruht zumeist auf Daten der amerikanischen Sozialversicherungssysteme und anderer US-Quellen; das Gesamtregister des Deutschen Familienarchivs mit rund 250.000 Einträgen gibt Auskunft, in welchem Band Informationen zu einem gesuchten Familiennamen vorliegen. Hilfreich sind ferner die übersichtlich geordneten Links zu Informationsbeständen im Internet wie der riesigen Datenbank der Mormonen - dort finden sich auch zahlreiche Einträge aus den deutschsprachigen Ländern, die bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen.

Beim Eintragen der Familienmitglieder verfolgt "Mein Stammbuch" das Prinzip, für jede Person eine eigene Karteikarte anzulegen. Dies ist am Anfang zwar etwas komplizierter als beim "Familienstammbuch", bietet aber auf Dauer einen flexibleren Umgang mit den Informationen. Die Personenkarten können neben Bildern auch längere Texte, Videos oder Audio-Dateien aufnehmen. Auch bei der Gestaltung der Stammbaum-Grafiken bietet die Sierra-Software eine größere Vielfalt von Layout- und Druckmöglichkeiten. Ergänzt wird die Software von einem Bildbearbeitungsprogramm, einer großen Auswahl historischer Karten und einigen netten Beigaben wie dem französischen Revolutionskalender oder der Passagierliste der "Titanic".

Beide Programme sind für Windows 95/98 gedacht, benötigen einen Arbeitsspeicher von mindestens 16 MB (empfohlen sind 32 MB) und belegen auf der Festplatte 45 bis 65 MB. "Mein Stammbuch 2" ist online oder im Fachhandel zum Preis von rund 492 Schilling zu beziehen, der bei Mattel Interactive erschienene "Familienstammbaum 7.5" 654 Schilling. (APA)

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