Edward Teller, Erfinder der H-Bombe, stellt richtig

3. Mai 2001, 22:13
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Er sei es gar nicht gewesen, sagt er in einem 20 Jahre lang verschollenen Interview

Washington - Erst jetzt wird ein Interview bekannt, das Edward Teller, Erfinder der Wasserstoffbombe und heute 93, vor mehr als 20 Jahren gab. Damals hatte er gerade einen Herzinfarkt überstanden und spürte offenbar das Bedürfnis, vor der Geschichte noch etwas geradezurücken. Also sprach er deutlich ins Mikrofon und wiederholte es zur Sicherheit: "Der erste Entwurf für die Wasserstoffbombe stammt von Dick Garwin."

Die New York Times kam über einen Teller-Freund in den Besitz der Tonbandabschrift und machte sie letzte Woche auszugsweise bekannt. Der Physiker habe, meint sie, mit seiner Richtigstellung zwar nicht den Ruhm für die geistige Leistung abtreten wollen - die Idee reklamiere er weiterhin für sich selbst -, aber er wollte offenbar aufzeigen, wie aus seinem theoretischen Konzept die gefürchtetste Waffe der Welt wurde. Die erste H-Bombe wurde 1952 gezündet.

Während einige Wissenschafter Tellers Geschichtskorrektur für durchaus glaubwürdig halten, wittern andere dahinter Kalkül. Teller habe nur Stanislaw M. Ulam, seinen inzwischen verstorbenen Rivalen, herabsetzen und Garwin, zur Zeit der Erfindung erst 23, aufwerten wollen. Die späte Anerkennung für Garwin sei jedenfalls überraschend, weil nicht nachzuvollziehen sei, wie er so lange hätte übergangen werden können. Außerdem wurde Garwin später ein ausgesprochener Befürworter der Rüstungskontrolle und lag darüber mit Teller im Streit. Heute ist er 73, arbeitet in Stanford und bezeichnet sich selbst durchaus als "Geburtshelfer" der Bombe. Allerdings mit dem bedauernden Zusatz: Wenn er könnte, würde er Bombe und Atomzeitalter ungeschehen machen.

Aufrichtig oder nicht - Teller war immer eine umstrittene Figur. 1908 in Ungarn geboren, emigierte er zunächst nach Deutschland, dann nach England und in die USA. Er lehrte an der George Washington und an der Columbia University und arbeitete ab 1941 an der Entwicklung der Atombombe mit, ab 1946 in Chicago an der Wasserstoffbombe. Von 1953-1960 lehrte er in Berkeley. Anders als Robert Oppenheimer, der sich aus moralischen Gründen aus dem Atomprogramm zurückzog, setzte er sich ungerührt für weitere Atomwaffenversuche, gegen Rüstungsabkommen mit der Sowjetunion und als Berater von Reagan für ein Raketenabwehrsystem (SDI) im Weltraum ein. (hk,DER STANDARD, Print-Ausgabe 2. 5. 2001)

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