Aktienkauf zum Diskonttarif

1. Mai 2001, 20:29
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YLine-Management kauft 300.000 Aktien der Firma für 7,5 Euro pro Stück

Wien - Nach Vorlage einer rot gefärbten Bilanz Ende März hat das Management des Softwaredienstleisters YLine nun 300.000 Aktien der Firma gekauft. Vorstandschef Werner Böhm begründet diesen Schritt auch mit dem damaligen Ratschlag von Analysten, nach den Ergebniszahlen das Kapital durch einen eigenen Aktienkauf zu erhöhen.

Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) lag im vergangenen Jahr bei minus 6,2 Mio. Euro (85,3 Mio. S), ein Jahr zuvor waren es minus 5,5 Mio. Euro. Der Verlust vor Steuern war mit 14,8 Mio. Euro fast doppelt so hoch wie ein Jahr zuvor.

Mit dem Aktienkauf wolle das Management zeigen, dass es an das Geschäftsmodell der Firma als Anbieter von Internet Business Applications (ASP) glaube, sagte Böhm. Das Management halte nun 600.000 Aktien.

Zeitpunkt

Die Manager kauften die 300.000 Aktien am 4. April um einen Preis von 7,5 Euro, was einem Discount von 20 Prozent entspricht. Warum der Kauf erst an diesem Montag bekannt wurde, begründet Böhm mit rein technischen Gesichtspunkten: "Wir haben die Transaktion am vorigen Freitag per Notariatsaktion unterschrieben." Heute, Mittwoch, werde die Nachricht im Amtsblatt der Wiener Zeitung veröffentlicht.

Zum Hintergrund: 20 Tage nach der damals noch nicht bekannten Manager-Zeichnung schloss die Firma nach eigenen Angaben einen Deal mit dem US-Fonds Navigator. Das Abkommen sieht Investitionen von 50 Mio. Euro in den nächsten 18 Monaten vor. YLine könne jederzeit erforderliches Kapital in Form eines Capital-Call abrufen, so die Firma. Navigator erhalte im Gegenzug YLine-Aktien. Damit will sich YLine die Expansion unter anderem in den Nahen Osten absichern.

Die Wirtschaftsprüfer hatten noch Ende März den Fortbestand der Firma als gefährdet angesehen, wenn es keine Finanzspritze gäbe. Diese kam mit dem Geld der Amerikaner.

Böhm sagt nun zum Aktienkauf des Managements: "Wir haben 20 Tage vorher gezeichnet und noch nicht wissen können, dass der Deal zustande kommt. Und wir hätten die Kapitalerhöhung in jedem Fall gemacht." Dadurch fließen 2,25 Mio. Euro (31 Mio. S) in die Firmenkassen. Das Geld will YLine für die weitere Expansion nutzen, heißt es auf der Homepage der Firma. Bis Juni 2002 ist das Management an die Aktien gebunden.


Problemkind

Zu dem US-Deal und der Kapitalerhöhung kam in den vergangenen vier Wochen noch eine Nachricht von YLine: Die Firma kaufte zwei Wiener Softwarehäuser, Cubit und IS4B. Vergangenen Freitag wurde der Konkurs von IS4B bekannt - nur drei Tage nach der Übernahme durch YLine. Dazu sagte Böhm: "Wir haben keine Altlasten übernommen. Im Sanierungsplan ist die Entschuldung über einen Zwangsausgleich vorgesehen." (Esther Mitterstieler, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2. 5. 2001)

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