Bombardier weltgrößter Bahntechnik-Hersteller

1. Mai 2001, 20:27
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ADtranz-Übernahme nun abgeschlossen

Berlin - Die Übernahme des Berliner Schienenfahrzeugbauers ADtranz durch den kanadischen Bombardier-Konzern ist endgültig abgeschlossen. Das Geschäft ging zum 1. Mai mit allen Kreditverpflichtungen auf den Flugzeug- und Bahnbauer Bombardier über, teilte die bisherige ADtranz-Mutter DaimlerChrysler in Stuttgart mit. Es entsteht der weltgrößte Bahntechnikhersteller mit 37.000 Beschäftigten, einem Umsatz von umgerechnet 5,6 Milliarden EURO (77 Mrd. S) und einem fast dreimal so hohen Auftragsbestand. Davon stammt der größte Teil von ADtranz.

Heute, Mittwoch, wollen Bombardier-Chef Robert E. Brown und Pierre Lortie, der Präsident der Bombardier Transportation, in Berlin Einzelheiten bekannt geben. Zudem sind Belegschaftsversammlungen in den ADtranz-Werken geplant. Betriebsräte und Gewerkschaft fürchten einen weiteren Stellenabbau. Sie fordern eine Vereinbarung, die Standortschließungen und betriebsbedingte Kündigungen als Folgen der Übernahme ausschließt.

Im größten ADtranz-Werk in Hennigsdorf bei Berlin arbeiten rund 2600 Menschen. Bei Bombardier in Wien haben zuletzt 460 Mitarbeiter rund 600 Mio. S umgesetzt.

Marktanteil 24 Prozent

Im vergangenen August hatte DaimlerChrysler ADtranz für rund 1,6 Milliarden DM (818 Mio. EURO/11,26 Mrd. S) an die Kanadier verkauft. Mit der Transaktion will Bombardier mit Sitz in Montreal seinen Marktanteil nach Brancheninformationen auf weltweit 24 Prozent ausbauen und damit den französischen Bahntechnik-Riesen Alstom überholen. Nach fünfmonatiger Prüfung hatte die EU-Kommission der Übernahme im April mit Auflagen zugestimmt.

Aus Wettbewerbsgründen muss ADtranz sein Angebot bei Regionalverkehrszügen und Straßenbahnen in Deutschland teilweise abstoßen. Das Unternehmen war 1996 durch die Fusion der Bahnsparten der damaligen Daimler-Benz AG (vormals AEG) und der ABB Asea Brown Boveri AG (Zürich) gegründet worden. (dpa, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2. 5. 2001)

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