Euro-Zinsen bleiben oben

1. Mai 2001, 19:44
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Bundesbank-Chef Welteke: Wachstum der Geldmenge bestätigt die EZB

Washington - Die Inflationsrisiken in der Euro-Zone bestätigen die EZB nach Einschätzung des Chefs der Deutschen Bundesbank, Ernst Welteke, in ihrer Haltung, die Leitzinsen zunächst nicht zu senken. Vor allem der jüngste Anstieg des Geldmengenwachstums rechtfertige die abwartende zinspolitische Haltung der Europäische Zentralbank (EZB), sagte Welteke nach der IWF-Frühjahrestagung in Washington.

Die EZB hat bisher allen Forderungen getrotzt, angesichts der sich abkühlenden Konjunktur in der Euro-Zone die Zinsen zu senken. Mit Blick auf die Weltkonjunktur gebe es trotz der zu erwartenden Abschwächung "keinen Grund für Pessimismus". Auch sei die Gefahr einer US-Rezession noch geringer geworden.

"Die März-M3-Zahlen sind nicht erfreulich und bestätigen die abwartende Haltung der Europäischen Zentralbank (EZB)", sagte Welteke, der auch EZB-Ratsmitglied ist. Insgesamt gebe es auf der Preisseite keine Entlastung, und derzeit sei bei den aktuellen Inflationszahlen keine Trendwende zu erkennen.

Geldmengenwachstum beschleunigt

Nach Angaben der EZB vom Montag hat sich das Geldmengenwachstum M3 in der Euro-Zone im März erstmals seit August 2000 mit 5,0 (4,7) Prozent in der Jahresrate wieder beschleunigt und sich weiter vom Referenzwert der EZB von 4,5 Prozent entfernt. Ein steigendes M3-Wachstum signalisiert in der Regel höhere Inflationsgefahren.

Zugleich bekräftigte Welteke jedoch, die EZB müsse nicht notwendigerweise mit einer Zinssenkung warten, bis die Inflation wieder unter die Toleranzgrenze von zwei Prozent gefallen ist.

In der Abschlusserklärung des G7-Treffens vom Samstag wurde die EZB-Zinspolitik nicht erwähnt, doch schon einen Tag später kamen erneut Forderungen nach einer Leitzinssenkung auf, etwa vom kanadischen Finanzminister Paul Martin. Sein französischer Amtskollege Laurent Fabius sagte, die EZB muss bei ihrer Geldpolitik die Wachstumsrisiken in Betracht ziehen.

Welteke reagierte auf diese Aussagen gelassen. Grundsätzlich könnten die Minister sich äußern, doch zeige dies, wie wichtig die Unabhängigkeit der EZB sei. Die EZB leiste den besten Wachstumsbeitrag, wenn sie die Preisstabilität weiter gewährleiste. "Jeder muss seine Geldpolitik selber gestalten", sagte Welteke. Die Geldpolitik sollte nicht zur Konjunktursteuerung eingesetzt werden, unterstrich er. Die EZB müsse mit ihrer vorausschauenden Geldpolitik vor allem die Inflationserwartung niedrig halten.

Welteke warnte davor, die Toleranzgrenze für Preisstabilität von 2,0 Prozent oder den Referenzwert von 4,5 Prozent für das M3-Wachstum zu ändern, weil einige EZB-Kritiker diese Werte als zu ambitioniert ansehen. "Es wäre kontraproduktiv oder schädlich, würden wir diese Definitionen ändern oder austauschen." Wichtig sei eine konsistente Argumentation der EZB, die dann besser von der Öffentlichkeit verstanden werden könnte. (Reuters)

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