"Bauerplay" mit Power

3. Mai 2001, 20:01
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Fest zu Wolfgang Bauers 60. Geburtstag im Schauspielhaus Graz

Graz - Zwölf Stunden lang wurde allein gespielt! Und es war kein ermüdender Marathon im Schauspielhaus, eher ein Fest, das die Vitalität von Wolfgang Bauers Dramen greifbar machte. Dass das einstige Enfant terrible die Zeit endgültig besiegt hat, stellten sechs Grazer Theater unter Beweis: eine respekt-und liebevolle Idee von Bauer-Herausgeber und -Laudator Gerhard Melzer, die teilweise fulminant aufging.

Zum amüsanten Auftakt, einer steirischen Revue der Bühnen Graz, verdichteten Bauer-Routiniers und Graz-Neulinge szenisch gelesene Bauer-Texte zum ironischen Heimatgedicht. Die jugendlichen SchauspielerInnen des Theaters am Ortweinplatz trieben in der Discoatmosphäre der ausgiebig beschallten Probebühne ihr Spiel mit Szenen und Zitaten, Projektion und Licht als Party zwischen Lust und Langeweile.

Rudi Widerhofers und Ernst M. Binders glänzende Wissenschaftsparodie enthüllte das Forum Stadtpark Theater als heimliche Forschungsstätte und diskutierte nicht nur die Bauer-Rezeption bei Cato d. Ä., sondern auch Sexualität und Fortpflanzungsfähigkeit des Gesamtwerks - was die Kulttruppe des Theaters im Bahnhof unter der Leitung von Beatrix Brunschko und Pia Hierzegger eindrücklich demonstrierte. Eine aus vier Bauer-Dramen montierte Kernszene wucherte an ihren Variationsstellen in Exzessen, Banalitäten, Aggressionen und Einsichten weiter. So vital wie intellektuell thematisiert das "banale Plagiat" sich selbst wie Struktur und Hintergrund der Stücke. Großer Jubel und dann - auf der Hauptbühne - der Jubilar, ein versierter Leser seiner selbst.

Im Verein mit Ishwara Erhard Koren las Bauer aus Lyrik, Happy- und Mikrodramen, untermalt von Otto Lechners Akkordeon. Ein Fest im großen Rahmen, dessen informeller Teil erst kurz vor Mitternacht begann und die aristotelische Forderung nach der Beschränkung auf einen Sonnenumlauf wie erwartet etwas sprengte.

(DER STANDARD, 2.5.2001)
Beate Frakele
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