Nelken statt Badehosen

1. Mai 2001, 19:06
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Die Wiener SPÖ beging den Maiaufmarsch als späte Wahlfeier

Wien - Die Konkurrenz war groß. Hat doch Wien, obwohl mit der Wahl wieder er-rötet, heuer mit einer langjährigen Tradition gebrochen: Erstmals sperrten die Wiener Freibäder nicht erst am 2. Mai, sondern schon am Wochenende davor auf. Die Konkurrenz war aber nicht übermächtig: Trotz sommerlichen Badewetters zogen rund 100.000 Wiener die rote Nelke der Badehose vor und begingen den "Tag der Arbeit" mit dem Maiaufmarsch und der SPÖ.

Oder auch mit Kracherl, Bier und Imbissen: Mit dem "mercato rosso", dem roten Markt rund um das Burgtheater, ging die traditionelle Demonstration nahtlos in ein kulinarisches Fest über.

Wenige Meter weiter, auf dem Rathausplatz, wurde ein politisches Fest gefeiert - und der Wahlsieg in Wien nachzelebriert. Hatte doch am Wahlabend selbst strömender Regen ausgedehntes Feiern vor der SPÖ-Zentrale Löwelstraße verhindert. So dankte der nun mit absoluter Mehrheit regierende Wiener Bürgermeister Michael Häupl "für das unglaubliche Vertrauen" der Wähler.

"In den Abgrund"

Und ließ die Gelegenheit nicht verstreichen, erneut die "rassistischen und antisemitischen" Töne Jörg Haiders im Wahlkampf zu kritisieren. Häupls Conclusio: Sollte der soziale Zusammenhalt in Österreich gewährleistet werden, müsse die schwarz-blaue Regierung daran gehindert werden, "weiterhin Österreich in den Abgrund zu führen". Die erstarkte SPÖ werde der Bundesregierung noch energischer entgegentreten - und "alles dazu tun, damit der nächste Bundeskanzler Alfred Gusenbauer heißt".

Derart eingeleitet, konnte SPÖ-Chef Gusenbauer hoffen, dass die schwarz-blaue Regierung nicht mehr als "eine Episode bleibe" und seine Attacken gegen den "schwarz-blauen Schröpfkurs" und die "Politik des großen Geldes" von der Tribüne donnern.

Die einfachen Parteimitglieder auf dem Platz zeigten ihren Unmut aktionistischer: Mit Transparenten wie "Wir wissen ganz genau, die Ambulanzgebühren sind eine Idee von schwarz-blau", T-Shirts mit dem roten Aufdruck "Staatsfeind" oder einem Schwein gegen "die Schweinereien im Bildungsbereich", - oder einem Wagerl, ausgestaltet als "FPÖVP-Taschenzieherkabinett". (eli, DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 2.5.2001)

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