Unverständnis oder Lachen - Verhältnis Österreich-Deutschland im Rahmen der Diskussionsserie "Feindbilder"

3. Mai 2001, 14:22
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Die politische Wahrnehmung Österreichs auf der internationalen Bühne ist entweder nicht vorhanden oder löst bestenfalls kopfschüttelndes Unverständnis gepaart mit jenem Sarkasmus der Erleichterung aus, der entsteht, weil man selbst nicht mit derartigen Abwegigkeiten ohne Unterlass konfrontiert ist. Dass sich bei diesem Hintergrund nur sehr schwer eine ernst zu nehmende Beziehung entwickeln kann, liegt auf der Hand und wurde beim ersten Diskussionsabend von ORF und DER STANDARD im Rahmen der dreiteiligen Serie "Feindbilder - Wie Völker miteinander umgehen" Montagabend im RadioKulturhaus deutlich.


Wahrnehmungen

Dirk Stermann, wortgewaltiger Kabarettist aus Deutschland, machte das Nichtverhältnis deutlich: "In Deutschland lachen die Leute beim Wort Österreich gern. Denn über Jörg Haider ist es besser zu lachen, als Angst zu haben. Sonst müsste man sich ja hinlegen, wenn Nazis durch das Brandenburger Tor marschieren und auf ihren Spruchbändern zu lesen ist: ,Mein Freund ist Österreicher'."

Umgekehrt proportional zur beschränkten Wahrnehmung "der Deutschen" ihres nach wie vor beliebtesten oder auch nur ihres bequemsten Urlaubslandes, ist jene der Österreicher in Bezug auf das Nachbarland. Allein die Gesetzesinitiativen, die Österreich von den Deutschen übernommen hat, sind Legion. Wenn in Deutschland eine Diskussion über ein x-beliebiges Thema beginnt, ist sie mit einer Zeitverzögerung von rund vierzehn Tagen auch bei uns aktuell, was auch mit der Erscheinungsweise der deutschen politischen Magazine zu tun hat. Wie in einem Brennglas sind die "Ösis" geneigt, die Vorgänge im "großen Bruderland" zu beobachten, zu kommentieren und nachzuvollziehen.

Dass damit eine gewisse Identitätsirritation einhergeht, zeigt sich bei kompensatorischen Ereignissen wie z. B. jenem Fußballmatch in Córdoba, bei dem die ÖFB-Auswahl bei der WM-Endrunde in Argentinien das legendäre 3:2 über Deutschland feierte. Groß erinnerte an dieses Ereignis die nationale Presseagentur APA aus Anlass des 20. Jubiläums (!) am 21. Juni 1998. Selbstverständlich unter Hinzufügung des Satzes "I wer' narrisch, jetzt genehmigen wir uns ein Vierterl", der den ORF-Report Edi Finger zur Legende gemacht hat.
Diese und andere Zwiespältigkeiten im Verhältnis zwischen Österreich und Deutschland wurden nach Bildung der schwarz-blauen Koalition vertieft. Darüber dass daran auch die Aufhebung der diplomatischen Maßnahmen gegen die österreichische Regierung nichts geändert hat, waren sich die Diskussionsteilnehmer Brigitte Hamann (Historikerin), STANDARD-Chefredaktuer Gerfried Sperl, der Intendant des Schauspielhauses Frankfurt, Peter Eschberg, und ZDF-Korrespondent Michael Schmitz einig. Konfliktfrei scheinen hingegen die Beziehungen im Bereich der Wirtschaft zu sein, wusste Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl zu berichten.
(Ausstrahlung 3SAT 1. Juni 23.00 Uhr)
Das Verhältnis Österreich- Belgien wird am Mittwoch, ab 20.00 Uhr im ORF Salzburg diskutiert.(DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 2.5.2001)


Von Katharina Krawagna-Pfeifer
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