Mit Haider für die Piccola Patria

1. Mai 2001, 21:13
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Neue Rechtspartei für "totale Abschottung der EU-Außengrenzen"

Portogruaro/Rom - Diego Volpe Pasini ist ein Mann der New Economy. Für den Chef des Unternehmens Micro-Comm in Portogruaro in Venetien ist es nahe liegend, mit dem Handy Wahlwerbung zu betreiben. Zehntausende werden in den kommenden Wochen auf ihren Mobiltelefonen SMS wie diese vorfinden: "Ich will Sicherheit für meine Familie und mein Haus. Die Politik muss mich beschützen. Daher wähle ich PLP, die italienische Partei Haiders." Neben den Initialen der Partei ist auf dem Listenzeichen mit grün-weiß-rotem Kreis der Slogan "In Europa con Haider" zu lesen.

In allen 35 Senatswahlkreisen der Lombardei stellt der Partito Liberal Popolare eigene Kandidaten. In anderen Regionen wie im Friaul hat man auf eine eigene Kandidatur verzichtet, um die Linke durch Aufsplitterung der Rechtswähler nicht zu begünstigen. 

Der 40-jährige Politikwissenschafter  Volpe Pasini ist seit einem Monat Vorsitzender der neuen Partei, deren Zwölf-Punkte-Programm gegen die Einwanderung die "völlige Abschottung der EU-Außengrenzen und deren Überwachung durch das Heer" fordert. Alle Auffanglager für Einwanderer sollen in deren Herkunftsländer verlegt werden. Die Partei tritt für eine "permanente Überprüfung aller Ausländer" ein. Einwanderer, die Angaben zu ihrer Identität verweigern, sollen "auf einer unbewohnten Insel interniert werden". Bei Ablehnung eines Arbeitsplatzes soll  ihnen "die Aufenthaltserlaubnis entzogen" werden.

Der Partito Liberal Popolare macht sich für die "piccola patria" stark, die überschaubare Heimat, den Schutz der Identität - gegen die wachsende Islamisierung und den europäischen Dirigismus. "Jörg Haider ist nicht unser Leader, sondern unsere Bezugsperson", stellt Volpe Pasini klar. Jede der zur Einreichung der Liste nötigen Unterschriften honoriert die Partei mit 40 Schilling. Der Chef der neuen Partei sieht das als "provokativen Akt". Man habe damit auf die Hürden verweisen wollen, die kleinen Parteien die Wahlbeteiligung erschweren.

Für den Partito Liberal Popolare kandidieren auch von Umberto Bossi enttäuschte ehemalige Lega-Parteigänger. "Erst hat Bossi Jörg Haider in der Parteizeitung Padania als ,österreichischen Freund' hochleben lassen, jetzt will er mit ihm nichts mehr zu tun haben. Er ist ein Lügner und Verräter", wettert Diego Volpe Pasini.
(DER STANDARD, Printausgabe, 2.5.2001)

von STANDARD-Mitarbeiter Gerhard Mumelter
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