Zwei Abgeordnete verlassen Partei des türkischen Regierungschefs

1. Mai 2001, 16:32
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Protest gegen Behandlung der Kritikerin Ecevits und Menschenrechtsexpertin Piskinsut

Ankara - Aus Protest gegen die Behandlung einer Kritikerin von Ministerpräsident Bülent Ecevit sind am Dienstag zwei türkische Abgeordnete aus der Regierungspartei ausgetreten. Mehmet Özcan und Nazire Karakus erklärten auf einer Pressekonferenz, sie könnten das Verhalten gegenüber Sema Piskinsut nicht tolerieren, die zuvor den Führungsanspruch von Ecevit angezweifelt hatte. Piskinsut war am Sonntag auf dem Parteitag der Demokratischen Linken ausgebuht worden und durfte eine geplante Rede nicht halten. Einige Parteimitglieder ohrfeigten ihren Sohn.

Özcan und Karakus sagten, sie verließen die Partei, wollten aber als unabhängige Abgeordnete ihre Sitze im Parlament behalten. Der 76-jährige Ecevit führt die Partei seit mehr als zehn Jahren und duldet keine Kritik. Die Demokratische Linke wurde von seiner Frau Rahsan gegründet, die den Vorsitz übernahm, als Ecevit nach einem versuchten Militärputsch 1980 von der Politik ausgeschlossen wurde. Der Ministerpräsident erklärte, es sei traurig, dass Piskinsuts Sohn geschlagen worden sei, entschuldigte sich aber nicht bei seiner Kritikerin. Piskinsut ist eine der wenigen Frauen im türkischen Parlament und eine respektierte Menschenrechtsverfechterin. (APA/AP)

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