Ethnische Unruhen in Mazedonien nach Rebellenangriff

1. Mai 2001, 15:14
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Albanische Geschäfte in Brand gesteckt

Skopje - Ein Überfall albanischer UCK-Rebellen auf eine mazedonische Armee- und Polizeipatrouille am Wochenende hat in Mazedonien ethnisch motivierte Unruhen ausgelöst. Aufgebrachte slawische Mazedonier attackierten in mehreren Ortschaften Geschäfte von Albanern; sie warfen nach Angaben der Polizei vom Dienstag die Schaufenster von etwa zwanzig Geschäften in der südwestlichen Stadt Bitola ein und setzten mehrere Läden in Brand. Die Unruhen brachen am Montagabend aus, kurz nach der Beerdigung von Opfern des UCK-Angriffs vom Samstag, bei dem albanische Extremisten im Grenzgebiet zum Kosovo acht Soldaten und Polizeiangehörige getötet hatten.

Ein albanischer Geschäftsinhaber in Bitola schoss laut Polizeibericht einen Angreifer in den Bauch. Drei weitere seien von Glassplittern verletzt worden, berichtete die Polizei. Am 1. Mai, der in Mazedonien als Staatsfeiertag begangen wird, wurden in westmazedonischen Orten mit mehrheitlich albanischer Bevölkerung keine mazedonischen Nationalflaggen gehisst. Das mazedonische Staatsfernsehen hat eine albanischsprachige Fernsehnachrichtensendung bis auf weiteres eingestellt. Die Redaktion habe "ethnische Intoleranz" gefördert und "militante albanische Extremisten" angespornt, sagte Fernsehdirektor Ljupce Jakimovski.

Nach der EU und der NATO verurteilte am Montag auch der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in New York in scharfer Form den Rebellen-Überfall vom Wochenende. Das höchste UNO-Gremium sprach von einem feigen und brutalen Angriff. In einer Erklärung hieß es, die Gewaltaktionen extremistischer Albaner stellten eine Gefahr für Mazedonien und die gesamte Balkanregion dar.

"Reiner Terrorismus"

Der mazedonische Staatspräsident Boris Trajkovski nannte den Angriff einen terroristischen Akt, der nichts mit den demokratischen Forderungen der Albaner in Mazedonien zu tun habe. "Dies ist reiner Terrorismus, der ausgelöscht werden muss", sagte er am Montag. Die albanischen Rebellen betonten dagegen, ihre Kämpfer hätten sich mit den Schüssen auf die Patrouille nur verteidigt. Ein Rebellenführer, der sich Kommandant Sokoli nennt, sagte der Nachrichtenagentur Associated Press, seine Leute hätten die Regierungssoldaten in der Nähe der Ortschaft Vejce umzingelt. Die Soldaten hätten jedoch Aufforderungen ignoriert, sich zu ergeben, und das Feuer eröffnet.

Ein Regierungssprecher in Skopje sagte, die acht Soldaten und Polizisten seien mit Kopfschüssen getötet worden. Später hätten die Rebellen auch noch mit Messern auf sie eingestochen, um sicher zu stellen, dass ihre Opfer wirklich tot seien.

Verteidigungsminister Ljuben Paunovski erklärte am Montagabend überraschend seinen Rücktritt. Der Schritt erfolgte nach Enthüllungen, wonach einige wichtige Lieferanten-Betriebe der Streitkräfte von Verwandten des Ministers geführt wurden. In seinem Rückschrittsschreiben an Ministerpräsident Ljubco Georgievski räumte er ein, dass zumindest einige der jüngsten Presseberichte wahr seien.

Trajkovski will bei seinem Staatsbesuch in den USA um "politische, militärische und wirtschaftliche" Unterstützung bitten. Bereits am Sonntag hatte Trajkovski, der am Montag in Washington eintraf, unterstrichen, er wolle mit Hilfe der Vereinigten Staaten den "Terrorismus ausmerzen". (APA/AP/dpa)

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