Wende in der US-Energiepolitik

1. Mai 2001, 08:27
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Comeback der Atomenergie, Ölbohrungen in Naturschutzgebieten - Bushs Vize Cheney dreht das Rad der Zeit zurück

Toronto - US-Vizepräsident Richard Cheney hat die künftige Energiepolitik der Vereinigten Staaten umrissen und dabei die Atomenergie verteidigt. Diese sei "eine der saubersten Methoden zur Stromerzeugung, die wir kennen", sagte er am Montag im kanadischen Toronto. "Wenn wir es mit dem Umweltschutz ernst meinen, müssen wir ernsthaft fragen, wie klug es ist, sich von etwas abzuwenden, das nachweislich eine sichere, saubere und sehr reiche Energiequelle ist."

Alternative Energiequellen seien noch nicht weit genug entwickelt, um die Wirtschaft und den amerikanischen "Way of Life" darauf zu stützen, meinte Cheney. Er forderte ein Stärkung die inländischen Ölförderung und -verarbeitung und die Verlegung neuer Gaspipelines. Cheney ist von US-Präsident George W. Bush beauftragt, die Strategie für die langfristige Energiepolitik der Vereinigten Staaten auszuarbeiten. Der Bericht seiner Kommission wird seinen Angaben zufolge in zwei Wochen vorliegen. Der Vizepräsident war bis vor kurzem im Öl- und Gasgeschäft tätig.

"Das Ziel ist Effizienz"

Die USA wollen ihre Energiepolitik nach den Worten von Cheney an der Nachfrage nach Öl, Erdgas, Kohle und Atomkraft ausrichten. "Das Ziel ist Effizienz, nicht Sparsamkeit", sagte er. Ursache von Engpässe wie in Kalifornien seien kurzsichtige Entscheidungen der Regierung in der Vergangenheit gewesen: Sparmaßnahmen beim Energieverbrauch seien zwar möglicherweise "ein Zeichen persönlicher Tugend", sie stellten aber "keine kluge Politik" dar.

Die USA könnten ihren Energiebedarf nicht allein über Einsparungen decken. Um der wachsenden Nachfrage zu begegnen, kündigte Cheney neue Gesetze und eine Verstärkung privater Initiativen an. Er bekräftigte die Absicht der Regierung, trotz starken Widerstands im Kongress und von Umweltschützern Ölbohrungen in einem Naturschutzgebiet in Alaska zu gestatten.

In den nächsten 20 Jahren würden in den USA 1.300 bis 1.900 neue Kraftwerke benötigt, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden. Die Nutzung alternativer Energie sei noch Jahre entfernt. Darüber hinaus müssten neue Raffinerien und Kernkraftwerke gebaut werden. Auch für den Ausbau der Wasserkraft machte sich Cheney stark. (APA/AP)

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